18.02.2026 –, Raum 6 (GW2 B2880)
BEITRAG 1: Qualitätsurteile in Bezug auf pädagogische Beziehungen - wieso, weshalb, warum?
Im ersten Beitrag liegt der Fokus auf erziehungswissenschaftlichen Diskursen und insbesondere dem Phänomen der seelischen Gewalt, welche von Lehrkräften gegenüber Schüler_innen ausgeht. Dabei geht es um die Frage, welche Herausforderungen existieren, wenn es um eine theoretische Bestimmung des Phänomens der seelischen Gewalt geht. Ausgehend von Arbeiten aus den Erziehungswissenschaften bzw. der Bildungssoziologie (z.B. Prengel 2019, Equit & Schmidt 2016) werden verschiedene Dimensionen und Spannungsfelder benannt, die in dem Zusammenhang von Relevanz sind (Autor_innen unter Begutachtung). Ein besonderer Fokus liegt auf einer differenzsensiblen Perspektive von seelischer Gewalt, z.B. in Bezug auf Formen, Wahrnehmung und Artikulation von dieser. In diesem Zusammenhang spielt zweitens auch eine Rolle, inwiefern normative Setzungen von Relevanz sind. Abschließend werden erste Überlegungen geteilt, welche Implikationen die Erkenntnisse mit Blick auf die Weiterentwicklung der Praxis in verschiedenen Feldern des Bildungssystems haben.
BEITRAG 2: Herausforderungen bei der Beobachtung gelungener Beziehungen - Berichte aus dem Feld
Pädagogische Beziehungen sind nicht statisch, sondern immer auch Ergebnis sozialen Handelns (Bauer 2025). Ferner akkumulieren sie sich aus einzelnen Interaktionsszenen zwischen Schüler_innen und Lehrkräften (Wettstein & Rauhfelder 2020). Dies wirft die Frage auf, wie entsprechende Praktiken empirisch erfassbar werden – und welche Herausforderungen dabei auftreten (können). Zudem stellt sich die Frage nach der Haltung der Ethnographin: Welche normativen Annahmen liegen der Bewertung als gelungen bestimmter Szenen oder Praktiken zugrunde?
Die zur Diskussion stehenden Daten stammen aus einer ethnographischen Studie an einer Grundschule, die mittels teilnehmender Beobachtungen erhoben und in Anlehnung an die Grounded Theory ausgewertet wurden (Strauss & Corbin 2010). Erste Befunde zeigen: Pädagogische Beziehungen lassen sich durchaus als gelungen beschreiben – bspw. wenn Schüler_innen zugehört wird und sie wertschätzend angesprochen werden. Voraussetzung für die Bestimmung als gute Beziehungen ist das explizite Offenlegen eines normativen Maßstabs (z. B. im Sinne einer Pädagogikethik (Prengel 2020). Dennoch: Es ist herausforderungsvoll zu bestimmen, welches konkrete Verhalten als ethisch zulässig gilt, es lassen sich durchaus Interpretationsspielräume identifizieren. Außerdem sollten methodische bzw. methodologische Anpassungen getroffen werden, die die ethnographisch-praxeographische Perspektive (Drechsel & Bennewitz 2023) ergänzen. So wäre es bspw. möglich, Handlungsmotive des Lehrer_innenhandelns zu identifizieren und die Erkenntnisse mit Blick auf Professionalisierung nutzbar zu machen.
BEITRAG 3: Nähe in Distanz. “Gute” pädagogische Beziehungen gestalten in Verhältnissen, die Grenzen produzieren
Der Beitrag kommt aus der schulischen und der bildungspolitisch aktivistischen Praxis.
Der Verein related e.V. (https://related-bildung.de/) ist aus einer gemeinsamen Initiative von Schüler_innen und Lehrer_innen aus Neuköllner Schulen entstanden und bietet u.a. Workshops zu Schule und Bildungs/Gerechtigkeit in der Migrationsgesellschaft, oder genauer im Umfeld von Armut und strukturellem Rassismus, an. Im Zentrum stehen die Perspektiven der Schüler_innen auf Schule, Stadtteil und Identität – die immer wieder diskursiv von außen bestimmt werden – und die pädagogischen Konsequenzen für Lehrer_innenhandeln und eine inklusive Schule in einer intersektional benachteiligten Umgebung.
Aus den geteilten und widersprüchlichen Erfahrungen von Schüler_innen und Lehrer_innen haben sich die (pädagogischen) Beziehungen als Feld der Widersprüche und als Kernelement transformativer Prozesse herauskristallisiert. Die Beziehungen sind geprägt von asymmetrischen Machtverhältnissen und differierenden Erfahrungen, sie öffnen aber auch einen reflexiven Raum, in dem Lernprozesse, Verstehen und solidarisches Handeln wachsen können. Im Beitrag soll dargestellt werden, wie die oft diametral verschiedenen Lebenslagen und Schulerfahrungen von Schüler_innen und (angehenden) Lehrer_innen den Raum der pädagogischen Beziehung beeinflussen und u.a. anhand der Workshops mit Lehramtsstudierenden expliziert werden, welche Reflexionsprozesse “Nähe in Distanz” und “gute” pädagogische Beziehungen ermöglichen.
Präsentation empirischer Projektergebnisse (zum Tagungszeitpunkt vorr. im Abschluss befindliche Forschung), Präsentation von Praxisprojekten oder Praxisbeispielen, Präsentation theoretischer oder konzeptioneller Beiträge
Abstract Symposium –Wenn es um die bestmögliche Förderung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext geht, wird im wissenschaftlichen Diskurs häufig darauf verwiesen, welche Relevanz die Qualität pädagogischer Beziehungen bzw. Interaktionen zwischen Lehrkräften und Schüler_innen hat, z.B. in Bezug auf die kognitive und persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendliche (z.B. Prengel 2019). In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage, wodurch sich die Qualität dieser Interaktionen kennzeichnet? So argumentiert Heid (2013), dass solche Qualitätsurteile variieren und in dem Zusammenhang u.a. eine Rolle spielt, wer das Urteil trifft, zu welchem Zweck, anhand welcher Kriterien und in welchem Kontext. Basierend auf der Annahme, dass Qualitätsurteile in Bezug auf “gute” Interaktionen auf normativen Setzungen basieren und auch - u.a. in Abhängigkeit von verschiedenen Differenzkategorien - unterschiedlich beantwortet werden, wollen wir uns im Rahmen des Symposium mit den folgenden drei Fragestellungen auseinandersetzen.
Welche (unterschiedlichen) Erwartungen werden an gute Interaktionen zwischen Lehrkräften und Schüler_innen (aus differenzsensibler Perspektive) formuliert?
Welche normativen Setzungen / Herausforderungen zeigen sich hierbei?
Wie lässt sich die Qualität der Interaktionen im schulischen Kontext verbessern?
Im Rahmen des Symposiums werden drei unterschiedlichen Perspektiven eingenommen: Im ersten Beitrag liegt der Fokus auf dem erziehungswissenschaftlichen Diskurs und um die Frage, welche Positionierungen hier sichtbar werden, z.B. im Kontext des Anerknnungsbegriffs, Überlegungen zu Fürsorge/Care sowie zu Gewalt und Diskriminerung. Im zweiten Beitrag geht es um die empirische Bearbeitung aus ethnomethodologischer Perspektive (Breidenstein et al. 2020) und welche Herausforderungen, aber auch Chancen im Rahmen einer ethnographischen Studie existieren. Im dritten Beitrag folgt die Auseinandersetzung aus der Perspektive der bildungspolitisch aktivistischen Praxis und welche Erfahrungen und Handlungsspielräume in diesem Zusammenhang wahrgenommen werden. Dabei ist allen drei Beiträgen gemein, dass sie sich aus ihrer Perspektive heraus mit normativen Setzungen auseinandersetzen und verschiedene Differenzkategorien, die im Zusammenhang mit Lehrkaft-Schüler_innen-Beziehungen von Relevanz sind, in den Blick nehmen (z.B. Gusfre et al. 2023; Scharpf et al. 2023).
Literatur –Bauer, A. (2025). Sorgende Beziehungen. Sorge als Analysedimension für die Praxis pädagogischer Beziehungen. In S. Schuppener, J. Budde, M.-A. Boger, N. Leonhardt, A. Goldbach, A. Hackbarth et al. (Hrsg.), Sorge und Solidarität (S. 153-164). Verlag Barbara Budrich.
Breidenstein, G., Hirschauer, S., Kalthoff, H. & Nieswand, B. (2020). Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung. München: UVK Verlag; Narr Francke Attempto Verlag.
Drechsel, S. & Bennewitz, H. (2023). Matten,Matten,Matten! Fallarbeit aus praxistheoretischer Perspektive. In E. Agostini, A. Bube, S. Meier & S. Ruin (Hrsg.), Profession(alisierung) und Erfahrungsanspruch in der Lehrer:innenbildung (73-85). Beltz Juventa : Weinheim.
Equit, C. & Schmidt, H. (2016). Theoretische Rahmungen von (Gewalt-)Situationen. Implikationen für die Forschung. In C. Equit, A. Groenemeyer & H. Schmidt (Hrsg.), Situationen der Gewalt (S. 40-64). Weinheim: Beltz Juventa.
Gusfre, K. S., Støen, J. & Fandrem, H. (2022). Bullying by Teachers Towards Students — a Scoping Review. International Journal of Bullying Prevention. Vorab-Onlinepublikation. https://doi.org/10.1007/s42380-022-00131-z
Heid, H. (2013). Logik, Struktur und Prozess der Qualitätsbeurteilung von Schule und Unterricht. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 16(2), 405–431. https://doi.org/10.1007/s11618-013-0363-7
Piezunka, A. (2022). Seelische Verletzungen in der Gestaltung pädagogischer Beziehungen. In N. Leonhardt, A. Goldbach, L. Staib & S. Schuppener (Hrsg.), Macht in der Schule. Wissen - Sichtweisen - Erfahrungen. Texte in Leichter Sprache, Einfacher Sprache und Fachsprache (S. 218-230). Bad Heilbrunn: Klinkhardt, Julius.
Prengel, A. (2019). Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Barbara Budrich.
Prengel, A. (2020). Ethische Pädagogik in Kitas und Schulen. Mit E-Book inside. Weinheim: Beltz.
Strauss, A. L. & Corbin, J. M. (2010). Grounded theory. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.
pädagogische Beziehungen im Kontext von Anerkennung und Gewalt
Schulentwicklung im Kontext von Inklusion
Konstruktinoen von Differenz
related e.V. - Gemeinsam für Bildungsgerechtigkeit in der Migrationsgesellschaft
Lehrer/Inklusionspädagoge an einer Bremer Oberschule
Traumapädagoge
Beziehungsorientierte Pädagogik
Schule im Kontext struktureller Benachteiligung
Pädagogik bei psychischer Belastung