Von Erfolgen und Grenzen: Reflexionen zu Transferprozessen in der inklusiven Bildung (Raum 9 - Slot 4)
19.02.2026 , Raum 9(GW2 B2335)


Abstract Symposium

Seit der Ratifizierung des Rechts auf inklusive Bildung aus Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) in Deutschland sind umfangreiche Fördermittel für die Bildungs- und Inklusionsforschung bereitgestellt worden – etwa im Kontext der BMBF-Förderlinien „Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte für inklusive Bildung“ (InkBi1, 2017-2021) (BMBF, 2016) und „Förderbezogene Diagnostik in der inklusiven Bildung“ (InkBi2, 2021-2026) (BMBF, 2019). Obwohl die Forschung vermehrt inklusionsbezogene Fragestellungen in den Blick genommen hat, die auf die Inhalte und Ziele der UN-BRK abgestimmt sind (Beck et al., 2025a, 2025b), belegt der Staatenbericht der UN, dass bei der Umsetzung der UN-BRK im deutschen Bildungssystem weiterhin gravierende Probleme bestehen (United Nations, 2023). Der menschenrechtlich fundierte Anspruch auf inklusive Bildung hat in Bildungspolitik, -administration und -praxis einen hohen Handlungsdruck erzeugt, für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu sorgen (Kett-Hauser et al., 2026, i.E.). Dennoch werden diesbezügliche Reformstrategien vielfach kritisiert, und auch der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu inklusiver Bildung gestaltet sich oftmals herausfordernd.
Zum Abschluss der InkBi2-Förderlinie sollen im geplanten Symposium die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Transferaktivitäten des Metavorhabens Inklusive Bildung (MInkBi) aus einer übergeordneten Perspektive sowie zweier InkBi2-Projekte aus dem konkreten Bildungsbereich Elementar- und Primarstufe geteilt werden. Ausgehend von den impulsgebenden Kurzvorträgen der Projekte MInkBi, „Erzähl- und Lesekompetenz erfassen und fördern – Entwicklung einer digitalen Prozessdiagnostik mit integriertem adaptiven Förderkonzept für den Elementar- und Primarbereich“ (EuLe-F) und „Individuelle Lernentwicklungsanalyse von Basiskompetenzen in der inklusiven Transition Kita – Schule“ (ILEA-Basis-T) soll Raum für einen Dialog mit den IFO-Teilnehmer:innen zu der Frage geschaffen werden, wie der Transfer der Ergebnisse inklusiver Bildungsforschung und somit die Umsetzung von Inklusion in der Praxis (besser) gelingen kann.

Geplante Struktur und Zeitaufteilung:
• Begrüßung, Kurzvorstellung (ca. 5 min.)
• Drei impulsgebende Kurzvorträge zu den Transferaktivitäten und -erfahrungen der einzelnen Projekte (MInkBi, EuLe-F, Ilea-Basis-T), je 10 bis max. 15 min. plus 3-4 min. für Verständnisfragen
• Austauschteil in zwei Phasen (insg. 20 bis 30 min.):
o Podiumsdiskussion mit Vertretungen aus den Projekten anhand vorbereiteter Leitfragen
o Aktivierung und direkter Austausch mit den Teilnehmer:innen dazu,
… ob sich die Erfahrungen decken
… welchen Formen des Transfers sich Praxisvertretungen wünschen
… welche Einbindung sich Selbstvertretungen wünschen

Abstracts zu den Kurzvorträgen

MInkBi: Lessons Learned zum Transfer aus der Metaperspektive
MInkBi begleitet seit 2017 insgesamt 66 Projekte zu inklusiver Bildung in allen Bildungsbereichen. Im Namen der Informations- und Vernetzungsstelle Inklusion (IVI) wurden Ende 2025 virtuelle Transfer-Foren mit drei thematischen Schwerpunkten angeboten – „Mathematik Inklusiv gestalten“, „Inklusive Elementarpädagogik“ und „Die emotionale und soziale Dimension des Lernens: Umgang mit spezifischen Bedarfen“. Diese brachten unterschiedliche Zielgruppen und die Projekte mit ihren Transferergebnissen zusammen, um weitere Impulse für den Transfer in die Bildungspraxis zu setzen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu vertiefen. Der Kurzvortrag gibt Einblicke in die transferunterstützenden Aktivitäten des Metavorhabens und die Fallstricke beim Brückenschlag zwischen inklusionsbezogener Bildungsforschung und Inklusion in der pädagogischen Praxis.

EuLe-F: Chancen und Grenzen des Transfers der EuLeApp© und der Förderschatzkiste in die pädagogische Praxis – Ergebnisse aus Fokusgruppeninterviews
Mit der EuLeApp© ist ein adaptives digitales Tool entstanden, das die frühen literalen Kompetenzen (Early Literacy) erfasst. Darauf aufbauend wurde ein Konzept zur alltagsintegrierten literalen Förderung entwickelt (u.a. Meindl et al., 2025; Yumus et al., 2025). Im Kurzvortrag werden die Ergebnisse der prozessbegleitenden Implementierungsforschung u.a. zur Bereitschaft von pädagogischen Fachkräften, die App sowie das Förderkonzept im Kitaalltag zu nutzen. Es wurden leitfadengestützte Interviews mit N = 109 pädagogischen Fachkräften aus 18 Kitas in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geführt, die mit MAXQDA ausgewertet wurden. Die Mehrheit der Befragten befürwortet den Einsatz der EuLeApp© prinzipiell und erhofft sich eine Zeitersparnis in der Auswertung sowie eine weiterführende Nutzung der Ergebnisse für Entwicklungsberichte, Elterngespräche und die literale Förderung der Kinder. Dennoch zeigt sich, dass die ermittelten Lernausgangslagen der Kinder im Bereich Early Literacy nur teilweise genutzt werden, um Angebote der literalen Förderung im Alltag anzubieten und das Förderkonzept aufgrund von knappen personellen und zeitlichen Ressourcen nur fragmentarisch angewendet wird. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der aktuellen Bildungsdebatte in der frühen Bildung diskutiert.

ILEA-Basis-T: Transferbedarfe pädagogischer Fachkräfte und projektbezogene Lösungsansätze: Erkenntnisse aus dem Projekt zur Individuellen Lernentwicklungsanalyse von Basiskompetenzen in der inklusiven Transition Kita – Schule
Die Förderung basaler Kompetenzen im Übergang zur Schule gilt als ein Schlüssel für gelingende schulische Bildungsprozesse (Stanat et al., 2022). Die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz fordern dabei u. a. eine systematischere Erfassung und Förderung „sprachlicher, mathematischer sowie sozial-emotionaler Kompetenzen“ (SWK, 2022, S. 39) von Kindern. Dennoch erfolgt in der Praxis z. B. kein flächendeckender Einsatz geeigneter systematischer Verfahren zur Erfassung der Lernausgangslagen (Peters et al., 2021) – auch, weil teils geeignete Diagnoseverfahren und Förderansätze fehlen (Bartusch et al., 2018).
Im Projekt ILEA-Basis-T wurden für Kinder mit erheblichen Lern- und Entwicklungsherausforderungen Diagnosebausteine und Förderempfehlungen für die Bereiche Frühe Mathematik, Frühe Literalität und das Biopsychosoziale Wohlbefinden entwickelt. Im Entwicklungsprozess wurden partizipativ Erkenntnisse zu den Transferbedarfen und geeigneten Transferkanälen der Praxispartner gewonnen (N1 = 39 und N2 = 15 päd. Fachkräfte; 1:Fragebogendesign, 2: leitfadengestützte Interviews).Der Vortrag stellt diese näher vor und diskutiert kritisch den Lösungsansatz zur Integration dieser Erkenntnisse in den entwickelten Materialien.

Literatur

siehe PDF

Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Präsentation von Praxisprojekten oder Praxisbeispielen, Partizipative und kollaborative Forschungsformate, Anderes

Siehe auch: Literaturverzeichnis (88,2 KB)

Differenzkonstruktion in Bildungsprozessen; Inklusive Bildung; Qualitative Methoden der Sozialforschung und Umgang mit (Forschungs-)Daten

Diese(r) Vortragende hält außerdem:

Jg. 1960, Diplom-Pädagoge und Sonderschullehrer. Praktische Tätigkeiten in Einrichtungen der Behindertenhilfe und als Förderschullehrer. Von 1994 bis 2000 Assistent an der Universität Hamburg. Seit 2000 Professor am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Leitung des Arbeitsbereichs Inklusive Bildung und Erziehung bei kognitiven Beeinträchtigungen. Schwerpunkte der Lehr- und Forschungstätigkeit sind Inklusion in Bildung und Gemeinwesen, Zusammenhänge zwischen emotionaler und kognitiver Entwicklung und ihrer Störungen sowie Theorie und Praxis Psychoanalytischer Pädagogik, insbesondere bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen

Diese(r) Vortragende hält außerdem:

Since 2020 C.v.O University of Oldenburg
Professorship Language and Communication and its Special Needs Education under Special Regard of Inclusive Educational Processes

2019 until 2020 University of Siegen
Professorship in Educational Science with the Focus on Special Needs Education ("Learning")

2009 until 2019 University of Rostock
Professorship in Special Needs Education in Language / Early Educational Special Needs

2006 until 2009 Leibniz University of Hannover
Assistant Professorship in Special Needs Psychology

2003 until 2006 University of Bielefeld, University Hospital of the University of Jena, Criminological Research Institute of Lower Saxony (KFN e.V.), Leibniz University of Hannover

1998 until 2003 University of Bielefeld
2003 PhD in Psychology (magna cum laude)
Topic: Biological risk and language development in extremely preterm born children

1991 until 1998 University of Bielefeld
Academic Studies in Psychology (honors degree)
Diploma thesis: Listening vs. reading comprehension: relation and development in primary school age

Beruflicher und wissenschaftlicher Werdegang

Seit 03/2022 
Universitätsprofessor für "Pädagogik bei Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung" an der Europa-Universität Flensburg

03/2021- 02/2022
Vertretungsprofessur "Pädagogik bei Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung" an der Europa-Universität Flensburg

2019 – 2021
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an Lehrstuhl für Pädagogik bei Geistiger Behinderung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

2018 – 2019    
Vertretungsprofessur "Inklusive Unterrichtsforschung mit dem Schwerpunkt Lernen" an der Universität Erfurt

2015 – 2018    
Koordination der Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Handlungsfeld "Inklusion" (Postdoc) des QLB-Projekt "ProfaLe"  (Universität Hamburg)

2011 – 2016    
Promotion an der JMU Würzburg: "Kognitive Lernvoraussetzungen und mathematische Grundbildung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung" (Prof. Fischer)

2011 – 2015
Abgeordnete Lehrkraft an der Europa-Universität Flensburg am Lehrstuhl für Sonderpädagogische Psychologie (Prof. Castello)

2008 – 2012
Studienrat an Sonderschulen, Förderschule für geistige Entwicklung Bekkamp, Hamburg (Fachleiter Mathematik; Mitglied der Steuergruppe zur Schulentwicklung)

2003 – 2007   
Studienrat an Sonderschulen, Gesamtschule Bergstedt, Hamburg

Seit 2023
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Sprache und Kommunikation und ihre sonderpädagogische Förderung unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

2017 - 2023
Masterstudium Musikpädagogik und Englisch auf Lehramt für Oberschule/ Gymnasium, Universität Bremen

2017 - 2019
Festanstellung an der Tagesbildungsstätte Erlenschule der Lebenshilfe Syke, Niedersachsen

2016 - 2017
Studium an der Dublin City University, Irland

2014 - 2017
Bachelorstudium Musikpädagogik und Englisch auf Lehramt für Oberschule/ Gymnasium, Universität Bremen