Immergenz und Dialogisches Making als inklusionspädagogische Haltung – zwischen Bildungsutopie und Systemlogik (Raum 4 - Slot 3b)
19.02.2026 , Raum 4 (GW2 A1110)


Literatur

Swoboda, W. (2019). Immergenz. Immersion im didaktischen Spiegel. [Dissertation, Friedrich Schiller Universität Jena]. https://doi.org/10.22032/dbt.40428
Swoboda, W. (2025). Vom Drinnen und Draußen: Inklusion und das Eine als pädagogischer Möglichkeitsraum. In P. P. Pasqualoni, M. Hoffmann, U. Rapp & P. Steinmair-Pösel (Hrsg.), Bildung im Spannungsfeld von Gleichheit, Differenz und Dekonstruktion (S. 21–33). Münster: Waxmann.

Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Presentation of practical projects or practical examples, Participatory and collaborative research formats

Abstract Einzelbeitrag

Der Beitrag entfaltet vor diesem Hintergrund eine inklusionspädagogische Haltung, die auf der Immergenztheorie (Swoboda 2019, 2025) und dem Konzept des Dialogischen Making basiert. Immergenz beschreibt demnach das prozessuale Eintauchen in ästhetisch-emotionale und leiblich-atmosphärische Erfahrungsräume, in denen Subjektivität und Welt in Resonanz treten. Dialogisches Making wird als eine Form des Gestaltens verstanden, die nicht als instrumentelle Tätigkeit, sondern als gemeinschaftsstiftender Vollzug begriffen wird. In diesem Prozess wird Differenz als Ressource eingesetzt, die eine wirksame Rolle spielt.
Am Beispiel des Projekts "Sprachen in Bildern" wird demonstriert, wie ästhetische Verfahren wie Sammeln, Collagieren und Kuratieren sowohl die individuelle Selbstwirksamkeit als auch die soziale Kohäsion innerhalb einer hochdiversen, mehrsprachigen Schülergruppe fördern können. Dieses Projekt wird aktionsforschend begleitet und ist ein Beispiel für künstlerisch-sprachliche Arbeit. Diese Praxis überschreitet den schulischen Leistungsrahmen, indem sie die Schaffung von Lernatmosphären anstrebt, die Vertrautheit, Sicherheit und Offenheit für Differenz vereinen.
Die vorliegende Analyse fokussiert auf drei Spannungsfelder: (1) Bildungsutopie als Atmosphärenpolitik – wie sich gestimmte Räume als Gegenentwurf zu selektiven Systemlogiken etablieren; (2) Dialogisches Making als Haltung – wie kooperative Gestaltungsprozesse kollektive Handlungsmacht generieren; (3) Systemkonformität als Herausforderung – wie curriculare und institutionelle Vorgaben transformiert, aber auch absorbiert werden.
Der Beitrag interpretiert Inklusionsforschung nicht als neutrale Beobachtung, sondern als verantwortete Praxis, in der Forschung, Haltung und Interaktion miteinander verschränkt sind. Er untersucht die potenzielle Relevanz ästhetisch-atmosphärischer Bildungszugänge für eine Inklusionsforschung, die sich sowohl an der Vision maximaler Teilhabe als auch an den Realitäten institutioneller Verfasstheit orientiert.

An der Pädagogischen Hochschule Wien im Bereich Digitalisierung und Maker Education angesiedelt, liegen die Schwerpunkte auf der Verbindung von mediengestützten, ästhetisch-dialogischen Gestaltungsprozessen mit sonderpädagogischen und inklusiven Bildungsansätzen. Im schulischen Kontext – insbesondere in Projekten mit heterogenen, mehrsprachigen Lerngruppen und Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf – werden Konzepte wie Immergenztheorie und Dialogisches Making in aktionsforschenden Settings erprobt. Ziel ist die Entwicklung und Reflexion atmosphärisch stimmiger Lernumgebungen, die Teilhabe, Mehrsprachigkeit und kreative Ausdrucksformen fördern.