18.02.2026 –, Raum 10 (GW2 B3010)
Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference), Methodological reflections
Literatur –Ebenbeck, N., Koch, J., Ebenbeck, J., & Gebhardt, M. (2025). What if… there were no special schools? A spatial simulation study of inclusive school systems based on governmental data of Bavaria, Germany. Zeitschrift für Grundschulforschung, 18(1), 139-156.
Ebenbeck, N. & Gebhardt, M. (2025). Every Primary School Needs Resources for Inclusion: Simulating Special Educator Distribution in Urban and Rural Areas in Inclusive School Systems [Preprint]. EdArXiv. https://osf.io/preprints/edarxiv/6sbcf_v1?view_only=
Jacobson, M. J., Levin, J. A., & Kapur, M. (2019). Education as a complex system: Conceptual and methodological implications. Educational Researcher, 48(2), 112–119. https://escholarship.org/content/qt9p13163x/qt9p13163x_noSplash_b79c22ce7fd707d9ff173aaca2e6ed8e.pdf
Ladyman, J., Lambert, J., & Wiesner, K. (2013). What is a complex system? European Journal for Philosophy of Science, 3, 33–67. https://philsci-archive.pitt.edu/9044/4/LLWultimate.pdf
Moser, V., & Dietze, T. (2015). Perspektiven sonderpädagogischer Unterstützung: Bereitstellung von Ressourcen aus nationaler und internationaler Sicht. In Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Schulleistungserhebungen (S. 75–99).
Van Mieghem, A., Verschueren, K., Petry, K., & Struyf, E. (2020). An analysis of research on inclusive education: A systematic search and meta review. International Journal of Inclusive Education, 24(6), 675–689.
Obwohl inklusive Bildung ein Menschenrecht ist, bestehen in Teilen Deutschlands weiterhin parallele Sonder- und Regelschulsysteme. Institutionelle Selbstbewahrungstendenzen tragen zur deren Stabilität bei und erschweren den Übergang zu inklusiven Schulstrukturen (Helbig & Steinmetz, 2021; Biermann & Powell, 2014). Inklusive Bildungssysteme erfordern daher die Schließung oder Reduzierung von Sonderschulen, sowie die Umverteilung sonderpädagogischer Ressourcen (Ebenbeck et al., 2024, Ebenbeck & Gebhardt, 2025, Moser & Dietze, 2015, Wocken, 1991).
Eine methodische Schwierigkeit der empirischen Inklusionsforschung ist aktuell, dass Veränderungen eintreten müssen, bevor sie umfassend untersucht werden können. Prädiktive Folgeabschätzungen werden stattdessen aktuell kaum verwendet (Van Mieghem et al., 2018). Simulationsgestützte Verfahren eröffnen hier einen innovativen Weg. Anders als retrospektiv-beschreibende Studien können sie schon vorab theorie- und empiriebasiert „Was-wäre-wenn“-Szenarien durchspielen und so die Auswirkungen politischer Entscheidungen im Vorfeld sichtbar machen (Jacobson et al., 2019).
In diesem Beitrag sollen basierend auf der Theorie der Komplexen Systeme (Ladyman et al., 2013) die Grundüberlegungen hinter dem Einsatz von neuartigen Simulationsstudien zur Folgeabschätzung inklusiver Entwicklungen in Schulsystemen erläutert und gezeigt werden. Hierfür werden die Vorgehensweisen und Ergebnisse von zwei Simulationsstudien am Beispiel des Bundeslands Bayern auf der Datengrundlage amtlicher Schulstatistiken auf Schülerebene und öffentlicher geographischer Daten gezeigt. Dabei werden partielle und vollständige Schulschließungen in Bayern simuliert und ehemalige Förderschüler:innen und Förderschullehrkräfte auf umliegende Regelschulen nach verschiedenen Annahmen und Mustern algorithmisch verteilt. Analysiert werden die resultierenden Schulgrößen, Fahrtwege und sonderpädagogische Lehrerstunden pro Grundschule im städtischen und ländlichen Raum Bayerns.
Im Beitrag wird gezeigt, wie Simulationsstudien als variable Methode eingesetzt werden können, um strukturelle Fragen der Inklusionsimplementation zu klären und dabei zudem als ein zusätzlicher Faktor in der Kommunikation von Inklusion an die Bildungspolitik zu wirken. Chancen und Grenzen von Simulationsstudien im Kontext inklusiver Bildungssysteme sollen anschließend diskutiert werden.
Inklusive Schulsysteme, Simulationsstudien