18.02.2026 –, Raum 7 (GW2 B2890)
Presentation of ongoing research projects (interim status)
Literatur –Amrhein, B., & Badstieber, B. (2024). Systemische Gesamtbetrachtung. In Ministerium für Schule und Bildung NRW (Hrsg.), Gemeinsames Gutachten zum Wissenschaftlichen Prüfauftrag zur steigenden Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung. Langfassung (S. 4–37).
Autorengruppe Bildungsberichterstattung. (2014). Bildung in Deutschland 2014 – Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Bertelsmann.
Badstieber, B., Thiede, M., & Amrhein, B. (2022). „Was wird denn dann aus unserer Zunft?“ – Von der Dekonstruktion der Pädagogik bei Verhaltensstörungen zur Konstruktion eines pädagogischen Blicks auf das emotionale und soziale Erleben im Unterricht. In B. Badstieber & B. Amrhein (Hrsg.), (Un-)mögliche Perspektiven auf herausforderndes Verhalten in der Schule. Theoretische, empirische und praktische Beiträge zur De- und Rekonstruktion des Förderschwerpunkts Emotionale und Soziale Entwicklung (S. 409–423). Beltz Juventa.
Buchner, T., Pfahl, L., & Traue, B. (2015). Zur Kritik der Fähigkeiten: Ableism als neue Forschungsperspektive der Disability Studies und ihrer Partner_innen. Zeitschrift für Inklusion, 2. https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/273
Budde, J. (2006). Interaktionen im Klassenzimmer – Die Herstellung von Männlichkeit im Schulalltag. In S. Andresen & B. Rendtorff (Hrsg.), Geschlechtertypisierungen im Kontext von Familie und Schule (Bd. 2, S. 113–119). Barbara Budrich.
Butler, J. (2001). Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung. Suhrkamp.
Kuhlmann, N., & Ricken, N. (2022). Subjektivierung von Schüler*innen. In H. Bennewitz, H. de Boer, & S. Thiersch (Hrsg.), Handbuch der Forschung zu Schülerinnen und Schülern (S. 99–109). Waxmann.
Die restliche Literatur finden Sie aufgrund der begrenzten Zeichenzahl hier: https://docs.google.com/document/d/1ocH9FZt-87uaOC7bEWQHrOgAAACNr2zK3_AlXbTzWuI/edit?usp=sharing
Abstract Einzelbeitrag –Der Umgang mit herausforderndem Verhalten gilt als „Nagelprobe inklusiver Schulentwicklung“ (Stein & Ellinger, 2018, 82 ), die von massiven Überforderungslagen des pädagogischen Personals geprägt ist (Badstieber et al., 2022) und in einem dramatischen Anstieg des Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (FSP ESE) (Amrhein & Badstieber, 2024) Ausdruck findet.
Was im inklusionspädagogischen Diskurs noch wenig Beachtung findet: Mehrheitlich sind die als herausfordernd beschriebenen Kinder und Jugendlichen Jungen. Die geschlechtsbezogene Zusammensetzung des FSP ESE unterstreicht die Einschätzung, besteht dieser doch zu 84 % aus Schülern (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2014). Herausforderndes Verhalten in Schule erscheint als männliches Phänomen (Budde, 2006).
Deutlich wird, dass das Verhalten einiger Jungen die schulischen Erwartungen hinsichtlich spezifischer Fähigkeiten von Schüler*innen herauszufordern scheint. Die Betonung von Leistungs- und Verhaltensnormen und die individualisierende Perspektive auf davon abweichendem Verhalten, wird durch das damit verbundene Exklusionsrisiko relevant. Aus einer ableismuskritischen Perspektive (Buchner et al., 2015) steht die wiederholte Veranderung (Leitner, 2023) dieser Schüler im engen Verhältnis zur Vergabepraxis eines FSP und somit der Differenzkategorie Behinderung.
Es deuten sich also komplexe Zusammenhänge von herausforderndem Verhalten, schulischen Leistungs- und Verhaltensnormen, sowie den Differenzkategorien Dis-Ability und Gender an.
Dieser Beitrag versucht mithilfe der Perspektive der subjektivierungstheoretischen Differenzforschung (Kuhlmann & Ricken, 2022) hier einen produktiven Zugang zu finden, in dem Subjekte als Ergebnis gesellschaftlicher Adressierungen verstanden werden. Eine Analyse der Multipositioniertheit von Subjekten im sozialen Raum sowie der „Verwobenheiten von veranderten Positionierungen“ (Spies & Tuider, 2022, 69) soll so den im Call eingeforderten intersektionalen Anspruch der Inklusionsforschung nachkommen.
Die Erkenntnisse sollen unter der Fragen nach dem daraus resultierenden Verhältnis von Wissenschaft und Aktivismus im Rahmen eines (un-)möglichen Abbaus von Fähigkeits- und Männlichkeitserwartungen in Schule diskutiert werden.
Thiede, Malte, M.A., Institut für Erziehungswissenschaft, AG Inklusive Pädagogik und Diversität, Universität Duisburg-Essen, Deutschland. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Diagnostik im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Geschlechterforschung mit dem Fokus Männlichkeiten und Intersektionalität. malte.thiede@uni-due.de