Inklusion als umkämpftes Projekt – Rechte Sprachstrategien und die Rolle der Wissenschaft (Raum 11 - Slot 1a)
18.02.2026 , Raum 11 (GW2 B3009)


Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference), Presentation of theoretical or conceptual contributions

Literatur

Literatur (Auswahl)
Andresen, Sabine/Dintenfelder, Lukas (2023): Haltung und Kritik. Erziehungswissenschaft im Lichte rechtsradikaler Diskurse über Bildung und Schule. Engel, Juliane/Fuchs, Thorsten/Demmer, Christine/Wiezorek, Christine (Hg.): Haltungen. Zugänge aus Perspektiven qualitativer Bildungs- und Biograohieforschung. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich GmbH, 171-188
Greving, Heinrich (2024). Heilpädagogik in einer gespaltenen Gesellschaft. In: Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hg.). Wissen schafft Demokratie. Schwerpunkt Behindernde Gesellschaft, Band 15. Jena, 72–85.
Skubowius, Sabrina (2025): Eine vergleichende Analyse politischer Diskurse der sprachlichen Strukturen von AfD und NSDAP bezogen auf den Behinderungsbegriff anhand ausgewählter Beispiele. Unveröffentlichte Bachelorarbeit

Abstract Einzelbeitrag

Rechte Diskurse zur Inklusion fordern nicht nur die pädagogische Praxis heraus, sondern auch Hochschulen und Forschung. Unser Beitrag zeigt am Beispiel der AfD, wie rechte Ideologien und Strategien das gesellschaftlich Sagbare verschieben und Exklusion normalisieren wollen.
Ausgangspunkt des Beitrags ist eine Bachelorarbeit, die Narrative und rhetorische Strukturen der AfD im Umgang mit dem Behinderungsbegriff und Inklusion analysiert. Das empirische Vorgehen orientierte sich an der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) und verglich der Muster nationalsozialistischer Rhetorik mit dem Sprachgebrauch der AfD. Analysiert wurde ein breiter Korpus aus Reden, Social-Media-Beiträgen, Interviews, parlamentarischen Dokumenten und Online-Foren.
Einerseits inszeniert sich die AfD als Schutzmacht, die behinderte Kinder vor „Überforderung“ bewahren müsse, andererseits werden Menschen mit Behinderung als „Belastung für das Schulsystem“ oder Inklusion als Ausdruck eines „rot-grünen Umerziehungsprojekts“ diffamiert (vgl. Skubowius 2025). Diese Doppelstrategie – fürsorgliche Rhetorik einerseits, Abwertung und Segregationslogik andererseits – schafft Anschlussfähigkeit an den öffentlichen Diskurs und trägt zur Normalisierung von Exklusion bei, so unsere These.
Gesellschaftliche Positionen sind politisch umkämpft. Inklusionsforschung steht damit mitten in diesen – durch das Erstarken der AfD und anderer rechtsextremer und -populistischer Strömungen– sehr aktuellen Konflikten. Damit rücken zentrale Fragen des Calls in den Fokus: Inwieweit geht durch die Übernahme aktivistischer Haltungen oder schon durch die Orientierung auf Praxistransformationen eine politische Positionierung von Wissenschaftler*innen einher? Darf es in diesem Zusammenhang überhaupt Neutralität geben? Welche Implikationen ergeben sich daraus für die Inklusionsforschung als Disziplin?
Nötig ist unseres Erachtens eine widerständige Inklusionsforschung, die wissenschaftlich präzise arbeitet, Ambivalenzen und Exklusionsverhältnisse aufdeckt und zugleich ihre Verantwortung als demokratisches Projekt anerkennt (vgl. Andresen/Dintenfelder 2023).
Gefordert ist eine Disziplin, die nicht zwischen Neutralität und Aktivismus zerrieben wird, sondern ihre politische Verantwortung offensiv annimmt: kritisch nach außen, gegenüber rechter Ideologisierung, und kritisch nach innen, gegenüber harmonisierenden Selbstbildern.

Kurzvita

• seit 2023: Oberstudienrätin im Hochschuldienst im Fachgebiet "Arbeit, Inklusion und Technologie".
• SoSe 2018: Vertretung der Professur "Behinderung und Inklusion" an der Universität Kassel
• seit 2016: Studienrätin im Hochschuldienst am Lehrstuhl "Entwicklung und Erforschung inklusiver Bildungsprozesse"
• seit 2003: Wissenschaftliche Angestellte und später Studienrätin im Hochschuldienst am Lehrstuhl "Theorie der Rehabilitation und Pädagogik bei Behinderung" (Markus Dederich)

Publikationen (Auswahl)

Gottwald, C. (2026). Ableismus und die Macht des Lachens: Eine kritische Perspektive am Beispiel des Diskurses um Luke Mockridge (im Review)
Gottwald, C. (2020). Geschichte und Symbolik der (Be-)Kleidung differenter Körper. In B. Schmuck, G. Mentges (Hrsg.), Fashion Dis/ability. Waxmann Verlag. S. 65-76
Grosche, M., Gottwald, C., & Trescher, H. (Hrsg.). (2020). Diskurs in der Sonderpädagogik: Widerstreitende Positionen. Ernst Reinhardt Verlag
Gottwald, C. (2019a). Behinderung. In socialnet Lexikon (Verlagsversion). socialnet GmbH. https://www.socialnet.de/lexikon/Behinderung
Gottwald, C. (2019b). Inklusion, Bildung und Politik: Inklusionspädagogik, (sonderpädagogische) Bildungsforschung und ihr Verhältnis zum Politischen. In M. Dederich, S. Ellinger, & D. Laubenstein (Hrsg.), Sonderpädagogik als Erfahrungs- und Praxiswissenschaft. Barbara Budrich, S. 297–314
Gottwald, C. (2009). Lachen über das Andere: eine historische Analyse komischer Repräsentationen von Behinderung. Transcript. https://doi.org/10.14361/9783839412756

Diese(r) Vortragende hält außerdem:

Sabrina Claire Skubowius schloss 2025 ihr Bachelorstudium der Rehabilitationspädagogik an der Technischen Universität Dortmund ab.
Seit 2020 ist sie staatlich anerkannte Erzieherin und derzeit in einem Familienzentrum in Herne tätig. Ihre berufliche Praxis umfasst insbesondere die Arbeit im Elementarbereich mit Kindern im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren.