18.02.2026 –, Raum 13 (GW2 B3850)
Die Erfassung umwelt- und personenbezogener Barrieren entlang des bio-psychosozialen Modells der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) bietet eine vielversprechende Möglichkeit zur Abbildung der spezifischen Ressourcen und Risikofaktoren im Rahmen beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen. Das übergeordnete Ziel der Maßnahmen, die Jugendlichen auf den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, wird laut Erhebungen der BAG BBW bei etwa zwei Drittel der Auszubildenden erreicht (vgl. BAG BBW e.V., 2020). Daher ist es von Interesse zu erfassen, welche Aspekte der Ausbildung einen Einfluss auf den Erfolg der Maßnahmen haben und welche Faktoren ein potenzielles Risiko für einen erfolgreichen Verlauf darstellen können.
Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die Teilnehmendenentwicklung in den BBW vom Beginn der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) bis zum Ausbildungsabschluss mittels eines ICF-basierten Erhebungsinstruments (vgl. Röhm et al., 2022) entlang der folgenden Forschungsfragen auszuwerten:
1) In welchem Ausmaß zeigen sich Unterschiede zwischen der Fremd- und Selbsteinschätzung der Teilnehmendenentwicklung in den personalen, sozialen, methodischen, kommunikativen, wohnbezogenen und berufsbezogenen Kompetenzen von Anfang bis zum Ende der jeweiligen Maßnahme?
2) Was lässt sich daraus für ressourcenorientierte und auf Inklusion ausgerichtete Maßnahmen in Berufsbildungswerken ableiten?
Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum von Oktober 2019 bis November 2023 zu sechs Erhebungszeitpunkten (Beginn der berufsvorbereitenden Maßnahme bis Ende der verschiedenen Ausbildungen) als Selbstbewertung durch die Rehabilitandinnen sowie als Fremdbewertung durch das Fachpersonal in den BBW (N = 3.110; M = 19,0 Jahre; SD = 2,6; 64,5 % männlich).
Insgesamt weisen die Ergebnisse für alle sechs Kompetenzbereiche darauf hin, dass sich die Fremd- und Selbsteinschätzung zu allen vier Erhebungszeitpunkten signifikant voneinander unterscheiden. Die Rehabilitandinnen selbst schätzen den Handlungs- und Förderbedarf konsequent geringer ein als die Fachkräfte in den BBW.
Insgesamt unterstreichen die Befunde die generelle Bedeutung einer umfassenden Erhebung der personalen Kompetenzen (vgl. Grotkamp, 2020) zur Bewertung der individuellen, aber auch kollektiven Teilnehmendenentwicklungen in den BBW. Darauf aufbauend werden Implikationen für eine Optimierung des Übergangs in den ersten Arbeitsmarkt diskutiert.
Präsentation empirischer Projektergebnisse (zum Tagungszeitpunkt vorr. im Abschluss befindliche Forschung)
Literatur –BAG BBW e.V. (2019). ICF Standardliste BBW Ver. 1.1. Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V.
BAG BBW e.V. (2020). Bericht – Ergebnisse der Qualitätssicherung und -entwicklung der BAG Berufsbildungswerke e.V. gemäß Rahmenvertrag. Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V.
Grotkamp, S., Cibis, W., Brüggemann, S., Coenen, M. M., Gmünder, H.-P., Keller, K. et al. (2020). Personbezogene Faktoren im bio-psycho-sozialen Modell der WHO: Systematik der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP). Gesundheitswesen, 82(1), 107–116.
Röhm, A., Schulz, S., Lueg, M.-C., Gollasch, S., Ronge, M. & Hastall, M. R. (2022). Evaluation der Teilnehmendenentwicklung in Berufsbildungswerken. Berufliche Rehabilitation, 36(1), 29–46.