18.02.2026 –, Raum 11 (GW2 B3009)
Blasse, N. & Haas, B. (2024). Intersektionale Inklusionsforschung: Zum Verhältnis von race, class, gender mit der Differenzkategorie dis*ability. Empirische Pädagogik, 38(2), 5 –20.
Budde, J. & Hummrich, M. (2015). Intersektionalität und reflexive Inklusion. Sonderpädagogische Förderung heute, 60(2), 165–175.
Begemann, E. (1968). Die Bildungsfähigkeit der Hilfsschüler soziokulturelle Benachteiligung und unterrichtliche Förderung. Marhold.
Essen, F. van (2013). Soziale Ungleichheit, Bildung und Habitus. Möglichkeitsräume ehemaliger Förderschüler. Springer VS.
Hiller, G.-G. (2019). Soziale Benachteiligung und Schulerfolg. Anregungen zum kritischen Umgang mit einem folgenlosen Narrativ. Sonderpädagogische Förderung heute, 64(2), 146–161.
Inklusionsforschung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen emanzipatorischem Anspruch und systemischer Anpassung. Mit dem Tagungstitel wird dazu eingeladen, kritisch über die theoretischen und methodischen Voraussetzungen sowie Folgen inklusionsbezogener Forschung zu diskutieren. Notwendig scheint ein differenztheoretisches Verständnis schulischer Behinderungskategorien, um marginalisierte Gruppen und intersektional relevante Differenzdimensionen in den Blick nehmen zu können. Insbesondere deshalb, da Inklusion sich nicht allein in pädagogischen Praktiken vollzieht, sondern diese abhängig sind von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, die Privilegien und Unterdrückung hervorbringen und fortschreiben. Damit verbunden ist die Frage, wie diese Machtverhältnisse durch wissenschaftliche Analysen sichtbar gemacht und durch Forschungspraxis selbst reproduziert werden können.
Die im Call benannten interdisziplinären Perspektiven verdeutlichen, wie eng Fragen von Behinderung mit weiteren Diskriminierungs- und Ungleichheitsverhältnissen verflochten sind. Auffällig ist jedoch, dass Benachteiligungsverhältnisse aufgrund der gesellschaftlichen Strukturkategorie class nicht unter diesem Stichwort, wohl aber unter der Bezugnahme auf Bourdieus Habitus-Konzept diskutiert werden. Gerade im Kontext schulischer Behinderungen ist diese von besonderer Bedeutung, wie u.a. Studien zum sonderpädagogischen Förderbedarf Lernen (u. a. Begemann 1968; Hiller 2019; van Essen 2013) seit Jahrzehnten aufzeigen.
In unserem Beitrag möchten wir, ausgehend von einem weiten Inklusionsverständnis (Budde/Hummrich 2015), das auf die Wechselwirkungen von disability mit weiteren Benachteiligungsdimensionen zielt, fragen, wie class im Kontext der schulischen Inklusionsforschung verhandelt und analytisch bearbeitet wird. Dabei verstehen wir unter disability die Hervorbringung von schulischen Behinderungen bzw. Differenzverhältnissen entlang von Fähigkeitsvorstellungen. Wir systematisieren den Forschungsstand zu sozialer Ungleichheit, Bildungsbenachteiligung und der Verschleierung von class im Feld der Inklusionsforschung. Unter Bezugnahme auf Vorschläge einer intersektionalen Inklusionsforschung (Blasse/Haas 2024) verfolgen wir das Ziel, class als analytische Kategorie theoretisch zu schärfen und Perspektiven für eine empirische Bearbeitung der Verflechtungen von class und dis*ability aufzuzeigen.
Systematische Reviews oder Literaturanalysen
intersektionale Konstruktionen schulischer Behinderungen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Inklusionsforschung, Fachbereich Erziehungswissenschaften Goethe-Universität Frankfurt
Sprecherinnenkreis Netzwerk Wissenschaftlerinnen in Qualifizierungsphasen in der Sonderpädagogik (WiQuaSo)