Unsichtbar in inklusiven Räumen? Queere Lebensrealitäten von Menschen mit Lernschwierigkeiten (Raum 4 - Slot 4a)
19.02.2026 , Raum 4 (GW2 A1110)


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Presentation of ongoing research projects (interim status)

Literatur

Eckstein, N. (2020). Queering Disability. Intersektionale Diskriminierung aufgrund von Geschlechts*identität/sexueller Orientierung und Behinderung im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention. Zeitschrift für Menschenrechte, 14(1), 87–105.
El Ismy, I., Jennessen, S., & Prchal, K. (2022). Behinderung, Queerness und Sexualität. Intersektionale Zusammenhänge und Erfahrungsberichte. In Teilhabe: Die Fachzeitschrift der Lebenshilfe (Bd. 61, Nummer 4, S. 146–151).
Raab, H. (2010). Shifting the Paradigm. „Behinderung, Heteronormativität und Queerness“. In J. Jacob, S. Köbsell, & E. Wollrad (Hrsg.), Gendering disability. Intersektionale Aspekte von Behinderung und Geschlecht (S. 73–94). Transcript
Raab, Heike & Ledder, Simon. (2022). Gender & Queer Studies in den Disability Studies. 10.1007/978-3-531-18925-3_21.
Schildmann, U., Schramme, S., & Libuda-Köster, A. (2018). Die Kategorie Behinderung in der Intersektionalitätsforschung. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde. Projektverlag.

Abstract Einzelbeitrag

Obwohl sich in den letzten Jahren sowohl in Forschung, als auch in der Praxis mit dem Thema Sexualität und Behinderung vermehrt auseinandergesetzt wurde, bleiben die Perspektiven von Menschen mit Lernschwierigkeiten der intersektionalen Betrachtung stark unterrepräsentiert und der Diskurs ist in den meisten Fällen geprägt von heteronormativen und binären Vorstellungen von sex, gender und Beziehungsform. Vor allem trans, inter und non-binäre Lebensrealitäten sind in der sexuellen Bildung bei Kindern und Jugendlichen, aber auch im Erwachsenenalter, in der Praxis sowie im Fachdiskurs kaum sichtbar. Hier stellt sich demzufolge die Frage, wie vermeintlich inklusive Räume wirklich inklusiv sind, wenn sie Themen wie Sexualität abseits von heteronormativen Bildern in ihrem Diskurs ausschließen?
In welchem Ausmaß kann die eigene sexuelle, aber auch Geschlechtsidentität entwickelt und vor allem ausgelebt werden, wenn sich die Diskriminierungsformen potenzieren und weiterhin Normalität sind?
Sowohl im Grundgesetz als auch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz §1 sollen Ungleichheiten und Barrieren unter anderem aus Gründen des Geschlechts, der Sexualität oder einer Behinderung verhindert, oder beseitigt werden, doch auch sie ist auf einer binären Geschlechterlogik aufgebaut. So wird in Artikel 3 UN-BRK die Gleichberechtigung von Mann und Frau als zentraler Grundsatz formuliert, was implizit an ein binäres Verständnis von Geschlecht anknüpft, das in älteren internationalen Menschenrechtsübereinkommen verankert ist. Auch die UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW) setzt grundsätzlich auf eine binäre Geschlechterordnung. Diese normative Beschränkung auf das binäre System wirkt sich unmittelbar auf die Gestaltung von sexualpädagogischen Angeboten sowie auf Inklusionsprozesse aus, da sie viele dimensionale Selbst- und Fremdwahrnehmungen ausschließt und diskriminierende Strukturen fördert.
Aus diesem Grunde soll an dieser Stelle Stimmen von Selbstvertreter
innen im Rahmen einer Promotion Raum gegeben und Bedürfnisse, Herausforderung, und Identität sichtbar gemacht werden und Raum zur Diskussion entstehen, welche Rolle Wissenschaft und Praxis dabei spielen, Räume für vielfältige Identitäten zugänglich zu machen, Barrieren abzubauen und eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Beispielsweise indem Strategien entwickelt werden, wie inklusive Settings wirklich alle Geschlechter- und Sexualitätsrealitäten sichtbar machen und diskriminierende Strukturen aufbrechen können.

Sterben, Tod und Trauer & Palliative Care bei Menschen mit Lernschwierigkeiten
Queerness und Behinderung