Teilhabe am Arbeitsleben zwischen Aktivismus und Systemkonformität - ein systematisches Review zu inklusionsorientiertem Entrepreneurship (Raum 12 - Slot 4a)
19.02.2026 , Raum 12 (GW2 B3770)


Abstract Einzelbeitrag

Startups werden zunehmend als Orte sozialer Innovation, Inklusion und Teilhabe verhandelt (Roland Berger et al. 2021). Sie bewegen sich dabei zwischen politischem Aktivismus – in der Forderung nach mehr Barrierefreiheit und Empowerment – und einem Desiderat in der Inklusionsforschung, die Gründungsprozesse bislang kaum systematisch untersucht. Während in Disability Studies (Grabowski et al. 2024), Gender Studies (Hinrichsen & Hummrich 2021) oder der kritischen Rassismusforschung (Engelmeier et al. 2025) Analysen von Teilhabe vorliegen, bleibt die Verknüpfung zu betriebswirtschaftlichen und ökonomischen Erkenntnissen meist unbeachtet.

Die Analyse folgt dem Verständnis von Inklusion als strukturelle Teilhabechancen multiperspektivischer Vielfalt (Grosche 2015; Hinz 2010; Wocken 2009) und verbindet dies mit ökonomischen Perspektiven auf Gründungskultur, Arbeitsmarkt und Innovationssysteme (OECD 2023; RKW et al. 2024; BA 2025).
Es fehlt bislang eine interdisziplinäre Betrachtung, die ökonomische Systemlogiken, inklusionspädagogische Forschung und aktivistische Forderungen vereint, um Potenziale und Exklusionstendenzen von Startups zu beleuchten.
Daher wird im Vortrag folgender Frage nachgegangen: Inwieweit können betriebs- und volkswirtschaftliche Erkenntnisse mit dem Fokus Entrepreneurship den Aktivismus im Bereich beruflicher Partizipation mitgestalten und mit Inklusionsforschung vernetzen?
Untersucht wird dies mittels eines zweiphasigen systematischen Reviews (Schreiber & Cramer, 2022; Newman & Gough, 2020) von deutsch- und englischsprachiger Literatur (2015–2025), das Beiträge aus Inklusionspädagogik, Wirtschaftswissenschaften und aktivistischen Kontexten einbezieht.

Das Review zeigt, dass Startups durch flexible Strukturen und Innovationsorientierung barrierearme Zugänge und Empowermentprozesse eröffnen können. Gleichzeitig reproduzieren sie – im Sinne von Systemkonformität – Exklusionen, etwa durch selektive Rekrutierung oder ungleichen Ressourcenzugang. Aktivistische Positionen verweisen auf diese Spannungen und formulieren Transformationsziele, die durch ökonomische Analysen verdeutlicht werden.
Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, Inklusionsforschung stärker interdisziplinär auszurichten, um Erkenntnisse zu Systemkonformität und -kritik zu integrieren. Es wird diskutiert, wie Startups als Inklusionsräume gefördert und zugleich in aktivistische Strategien eingebunden werden können, um Teilhabe am Arbeitsleben nachhaltig zu gestalten.

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Systematic reviews or literature analyses

Literatur

Bundesagentur für Arbeit (BA). (2025). Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen 2024. https://statistik.arbeitsagentur.de/…/Arbeitsmarktsituation-schwerbehinderter-Menschen.pdf

Engelmeier, L., Karakaşoğlu, Y., Mecheril, P., & Ohm, V. (2025). Exclusionary inclusion in German higher education. Ethnic and Racial Studies, 48(3), 1–18. https://doi.org/10.1080/01419870.2024.2438279

Grabowski, S., Darcy, S., Maxwell, H., & Onyx, J. (2024). Inclusive practice in disability arts. Int. J. Qualitative Methods, 23. https://doi.org/10.1177/16094069231225370

Grosche, M. (2015). Was ist Inklusion? In Inklusion von Schülerinnen und Schülern (S. 17–39). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-06604-8_1

Hinrichsen, M., & Hummrich, M. (2021). Jugend, sozialer Wandel und Transnationalisierung. GENDER, 13(3), 11–25. https://doi.org/10.3224/gender.v13i3.02

Hinz, A. (2010). Aktuelle Erträge der Debatte um Inklusion. In Enabling Community (S. 191–202). alsterdorf.

Newman, M., & Gough, D. (2020). Systematic reviews in educational research. In Systematic Reviews in Educational Research (S. 3–22). Springer.

OECD/EC. (2023). Indicators of immigrant integration 2023. OECD. https://doi.org/10.1787/1d5020a6-en

RKW Kompetenzzentrum, Leibniz Universität Hannover, & GEM. (2024). Global Entrepreneurship Monitor 2023/2024 – Deutschland. https://www.rkw-kompetenzzentrum.de/publikationen

Roland Berger, Internet Economy Foundation, Startup-Verband, & Deutsche Börse. (2021). Für ein Wirtschaftswunder 2.0. https://startupverband.de/…/20210622-Fuer-ein-Wirtschaftswunder-2.0.pdf

Schreiber, F., & Cramer, C. (2022). Towards a conceptual systematic review. Educational Review, 1–22. https://doi.org/10.1080/00131911.2022.2116561

Ich befasse mich mit der Gestaltung potenzialorientierter Arbeitsplätze unter besonderer Berücksichtigung außerschulischer inklusiver Prozesse. Hierbei stehen die Adaptionen von Arbeitszeitmodellen, Arbeitsplatzstrukturen und Aufgabenprofilen im Fokus, um Diversität im ersten Arbeitsmarkt als wertvolle Ressource zu etablieren. Meine Forschung erfolgt praxisorientiert in einem gemeinwohlorientierten Unternehmen und wird durch den Design-Based-Research-Ansatz begleitet, der eine systematische Verknüpfung von theoretischen Erkenntnissen und praktischer Umsetzung gewährleistet.