20.02.2026 –, Studierhaus
Präsentation theoretischer oder konzeptioneller Beiträge
Literatur –Ayers, K.B. & Reed, K.A. (2022). Inspiration Porn and Desperation Porn. Disrupting the Objectification of Disability in Media. In P.D.C. Bones et al. (Hrsg.), Redefining Disability. Personal/Public Scholarship, 12 (S. 90–101). Brill.
Bacakova, M. et al. (2024). Transdisziplinäre Inklusionswissenschaften In I. Bosse, K. Müller & D. Nussbaumer (Hrsg.). Internationale und demokratische Perspektiven auf Inklusion und Chancengerechtigkeit (S. 188-194). Klinkhardt.
Boger, M.-A. (2017). Theorien der Inklusion – eine Übersicht. Zeitschrift für Inklusion, 1.
Bruner, C.F. (2005). Körper und Behinderung im Diskurs: empirisch fundierte Anmerkungen zu einem kulturwissenschaftlichen Verständnis der Disability Studies. Psychologie & Gesellschaftskritik, 29 (1), S.33–53.
Dederich, M. (2007). Körper, Kultur und Behinderung. Eine Einführung in die Disability Studies. transcript.
Dziabel, N. (2024). Cripple Punk – „I’m starting a movement“. Skizzierung einer widerständigen Empowerment-Kultur. In: Zeitschrift für Disability Studies. Nr. 1/ 2024.
Friedmann, S. S. ( 2003). Das Sprechen über Grenzen, Hybridität und Performativität. Kulturtheorie und Identität in den Zwischenräumen der Differenz. Mittelweg 36, 5, S. 34-52.
Herriger, N. (2022). Empowerment. https://www.socialnet.de/lexikon/Empowerment
Kaiser, M. & Pfahl, L. (2020). Ableism und Verletzlichkeit. Überlegungen zu ‚neuen Formen der Sozialität’. In D. Brehme et al. (Hrsg.), Zwischen Vereinnahmung und Emanzipation (S. 96–102). Beltz Juventa.
Maskos, R. (2010). Was heißt Ableism? Überlegungen zu Behinderung und bürgerlicher Gesellschaft. arranca!#43
Marchart, O. (2008). Cultural Studies. UTB.
McRuer, R. (2017). No Future for Crips. In A. Waldschmidt et al. (Hrsg.), Culture - Theory - Disability: Encounters between Disability Studies and Cultural Studies (S. 63–78). transcript.
Wellmann, H. (2019). Punkkultur – Ordnungen radikalen Andersseins. Springer VS.
Das Spannungsverhältnis von Empowerment und Systemkonformität ist im Kontext von Behinderung als zentrales Feld der Auseinandersetzung zwischen Kultur, Identität und Macht zu begreifen (Marchart, 2008; Dederich, 2007; Friedmann 2003). Inklusionstheorien zeigen dabei, dass sich Diskurse zwischen normativen, systemtheoretischen und machtkritischen Perspektiven bewegen (Boger, 2017). Empowerment verweist in kritischer Perspektive auf widerständige Subjektivierungsprozesse, kollektive Selbstermächtigung und strukturelle Transformation (Herriger, 2022). Demgegenüber stehen institutionelle und gesellschaftliche Regime, die hegemoniale Normalitätsordnungen stabilisieren (Bruner, 2005; Kaiser & Pfahl, 2020). Empowerment droht so zur rhetorischen Hülse zu werden, wenn es nicht mit einer Analyse epistemischer Gewalt und der Reproduktion ableistischer Machtverhältnisse (Maskos, 2010) verknüpft wird.
Die Cripple-Punk-Bewegung lässt sich in diesem Spannungsfeld als radikale kulturelle Praxis verorten (Dziabel, 2024). Sie unterläuft dominante Repräsentationsregime, bricht mit Narrativen der Anpassung und produziert alternative Bedeutungen von Behinderung (McRuer, 2017; Wellmann, 2019; Ayers & Reed, 2022). Empowerment wird hier als solidarische Selbstermächtigung jenseits staatlicher und wohlfahrtsstaatlicher (Kontroll-)Logiken verstanden. Sie provoziert damit eine Auseinandersetzung mit den Schwachstellen des (Bildung-)Systems – insbesondere dort, wo Inklusion auf bloße Anpassung reduziert und Behinderung entpolitisiert wird. Als kulturkritischer Ansatz fordert Cripple Punk, der u. a. auch queere und neurodivergente Positionen einbezieht, alternative, auch unbequeme Ausdrucksformen von Behinderung ein und eröffnet Perspektiven für eine intersektionale, machtkritische Inklusionsforschung.
Der Beitrag verortet sich an der Schnittstelle von aktivistischer Kritik und wissenschaftlicher Reflexion. Er diskutiert das Spannungsverhältnis zwischen Empowerment und Systemkonformität vor dem Hintergrund von Cripple-Punk als radikalem, kulturkritischem Ansatz, der dominierende Narrative von Behinderung und hegemoniale Wissensordnungen hinterfragt. Zugleich formuliert er Anforderungen für eine transdisziplinäre Inklusionswissenschaft, die normativ verortet, machtkritisch, intersektional, partizipativ und praxisorientiert arbeitet und eigene epistemische Positionen reflektiert (Bacakova et al., 2024)
philosophische und theoretische Grundfragen der Heil- und Inklusionspädagogik, nicht-exklusive Gerechtigkeitstheorien, Disability Studies, Inklusion und Menschenrechte