18.02.2026 –, Hörsaal "Keksdose"
Zweifel an einer Vereinbarkeit von Kapitalismus und Inklusion werden nicht nur von Kritikerinnen des Kapitalismus (Maskos, 2015; Wahl, 2023) formuliert, sondern auch von Autoren, die Inklusion mindestens mit Vorbehalten, wenn nicht Ablehnung gegenüberstehen: Es heißt, („radikale“) Inklusion sei zu teuer und bedrohe die „Freiheit der Steuerzahler“ (Ekardt, 2015), sie sei eigentlich eine „Inklusionslüge“ und beseitige Schutzräume für behinderte Menschen (Becker, 2015), außerdem laufe sie auf einen „Kommunismus für die Schule“ hinaus (Brodkorb, 2013).
Angesichts solcher Thesen und entsprechender Kontroversen mag es sich lohnen, erneut eine analytische Perspektive auf das Verhältnis von Kapitalismus und Inklusion zu gewinnen. Dafür werden hier zwei Ausgangspunkte gewählt: zum einen Karl Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie, zum anderen ein Konzept der Inklusion, mit dem Talcott Parson (1965) zwecks Einbeziehung der bisher ausgegrenzten afroamerikanischen Bevölkerung gleichermaßen für Veränderung und für Erhalt der Verhältnisse in den USA plädierte. Ein Ergebnis der Analyse könnte sein, dass Kapitalismus und Inklusion keine fixierten und unveränderlichen Entitäten sind, sondern eine Politik bzw. dynamische Verhältnisse, um die Interessenkonflikte ausgefochten werden. In kapitalistischen Gesellschaften könnte es dabei, ungeachtet ihrer Differenziertheit und Vielfältigkeit, chronische Konfliktherde geben, die sich wissenschaftlich untersuchen und politisch verändern lassen.
Michael Zander ist Professor für Disability Studies, Inklusion, Psychologie am Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften der Hochschule Magdeburg-Stendal. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Disability Studies, Kritische Psychologie und Praxisforschung.
Foto: Christoph Soeder