"Man sollte das nicht aus dem Elfenbeinturm entscheiden, was hier unten dann quasi umgesetzt werden soll…“ Spannungsfelder zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik im Praxisforschungsprojekt QinkL
18.02.2026 , Raum 10 (GW2 B3010)


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Präsentation empirischer Projektergebnisse (zum Tagungszeitpunkt vorr. im Abschluss befindliche Forschung)

Literatur

BMFSFJ - Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2020: Mitreden – Mitgestalten. Die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe. Abschlussbericht. Online verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/resource/blob/158504/c1a544b357ca570e0aa9688cdafd0b18/abschlussbericht-mitreden-mitgestalten-die-zukunft-der-kinder-und-jugendhilfe-data.pdf (zuletzt geprüft am 15.09.2025)

Buttner, P., 2023: Auf dem Weg zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit. 54. Jg., Heft 3, Berlin.

Kieslinger, D./Owsianoswski, J (Hg.), 2023: Inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Finanzierung, Organisationsentwicklung, Qualität. Freiburg.

Vereinte Nationen (2023): Abschließende Bemerkungen zum kombinierten zweiten und dritten periodischen Bericht Deutschlands. Online abrufbar unter: file:///C:/Users/laura.wallner/Downloads/CRPD_Abschliessende_Bemerkungen_zum_kombinierten_zweiten_und_dritten_periodischen_Bericht_Deutschlands-1.pdf (zuletzt abgerufen am 15.09.2025)

Abstract Einzelbeitrag

Die Reform des SGB VIII sieht vor, dass die Kinder und Jugendhilfe ab 2028 ein inklusives Leistungsangebot bereitstellt (BMFSFJ 2020; Buttner 2023; Kieslinger/Owsianoswski 2023). Gleichzeitig kritisieren die abschließenden Bemerkungen des kombinierten zweiten und dritten Staatenprüfberichts zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention das Fehlen zielgerichteter Qualifizierungsangebote für Fach und Führungskräfte der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe (Vereinte Nationen 2023). Der Landkreis Groß-Gerau hatte im Zuge der Reform beschlossen, die Mitarbeitenden der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe für diese grundlegenden Veränderungen vorbereitend zu qualifizieren. Daher wurde 2023/2024 im Rahmen des Forschungsprojekts ein auf die Zielgruppe der in diesem Bereich Tätigen zugeschnittenes Qualifizierungskonzept entwickelt und erstmals umgesetzt. Neben einer Fragebogenerhebung zur Bedarfserhebung zu Beginn des Projekts fanden Gruppendiskussionen während der ersten Durchführung sowie eine Fragebogenerhebung nach Ende der Weiterbildung statt.
Der in einer Gruppendiskussion gefallene Begriff des Elfenbeinturms versinnbildlicht Widersprüche und Dilemmata, die auf verschiedenen Ebenen während des Prozesses zu beobachten waren, insbesondere zwischen der Handlungsebene der professionell Tätigen und der Entscheidungsebenen in Verwaltung und Politik. Dabei wurden unterschiedliche Spannungsfelder deutlich: Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden einerseits klare Handlungsanweisungen für die Umsetzung der Inklusiven Lösung vor Ort einfordern, andererseits aber eine partizipative Gestaltung ebendieser erwarten. Gleichzeitig wird ein wahrgenommener Mangel an politischem Willen und fehlende Entschlusskraft als Ursache für die ausbleibende konkrete Umsetzung identifiziert.
Im Beitrag sollen diese unterschiedlichen Spannungsfelder anhand des Datenmaterials dargestellt und die Rolle der Inklusionsforschung sowie der Inklusionsforschenden in Praxisforschungsprojekten anhand dieses Beispiels reflektiert, sowie die Bedeutung der Verschränkung von wissenschaftlichen Erkenntnisprozessen und politischen Entscheidungsprozessen herausgearbeitet werden.