20.02.2026 –, Raum 8 (GW2 B2900)
Presentation of theoretical or conceptual contributions
Literatur –Günther-Wünsch, K. (2025). Dritte Verordnung zur Änderung der Sonderpädagogikverordnung. https://www.schulgesetz-berlin.de/berlin/sonderpaedagogikverordnung/sopaedvo-aenderungen/dritte-verordnung-zur-aenderung-der-sonderpaedagogikverordnung.php [abgerufen am 15.9.25]
Jaeggi, R. (2023). Fortschritt und Regression. Berlin: Suhrkamp.
Kronig, W. (2003). Das Konstrukt des leistungsschwachen Immigrantenkindes. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 6(1), 126–141.
Lanfranchi, A. (Hrsg.). (1998). Migrantenkinder: Plädoyer für eine Pädagogik der Vielfalt. Luzern: Ed. SZH/SPC.
Latour, B. (2018). Das terrestrische Manifest. Berlin: edition suhrkamp.
Rushkoff, D. (2025). Survival of the Richest: Warum wir vor den Tech-Milliardären nicht einmal auf dem Mars sicher sind (Deutsche Erstausgabe; S. Gebauer, Übers.). Berlin: Suhrkamp.
Schnell, I., Sander, A., & Federolf, C. (Hrsg.). (2011). Zur Effizienz von Schulen für Lernbehinderte: Forschungsergebnisse aus vier Jahrzehnten. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Aktuell lassen sich in der Bildungspolitik Gegenbewegungen zur inklusiven Schule ausmachen. Die Berliner Sonderpädagogikverordnung wurde dahingehend verändert, dass «sonderpädagogische Kleinklassen» leichter gegründet werden können (Günther-Wünsch, 2025). In der Schweiz wird seit 2021 in verschiedenen Kantonen gefordert, sogenannte «Förderklassen» zu stärken (z.B. https://www.schule-mit-zukunft.ch). Dies zu einer Zeit, in der mit der UN-BRK das Menschenrecht auf inklusiver Bildung in Deutschland wie auch der Schweiz rechtlich verbrieft ist und damit die verstärkte Auflösung von Separation und Segregation angesagt wäre.
Die über Jahre erfolgte Kritik an Schulen für Lernbehinderte (Schnell et al., 2011) sowie des Sichtbarmachens von Ungerechtigkeiten (u.a. bspw. Lanfranchi, 1998; Kronig, 2003) verhallen als Argumente gegen neue Förderklassen. Wenn es nicht so ist, dass die «Fakten für sich selbst sprechen» (Latour, 2018, S. 34) – was dann? Wie Jaeggi (2023) betont, entsteht sozialer Fortschritt nicht primär im Austausch von Argumenten, sondern in kämpferischen Auseinandersetzungen. Was heisst das für Inklusionsforschung und -praxis?
Der Beitrag verknüpft den Ruf nach mehr Separation mit sowohl der Verleugnung der Klimakatastrophe als auch der Migration als unintendierte Folge der Globalisierung. Bruno Latour meint, dass alles dafür spreche, dass «ein gewichtiger Teil der führenden Klassen [...] zu dem Schluss gelangte, dass für ihn und für den Rest der Menschen nicht mehr genügend Platz vorhanden sei» (Latour, 2018, S. 9). So kann der Ruf nach der Wiedereinführung von Förderklassen als ein Kampf um soziale Positionen gelesen werden, der einerseits gegen die Rechte geführt werden muss, sich jedoch gleichzeitig gegen die 1% richten muss (Rushkoff, 2025), die den Ausverkauf der Erde vorantreiben.
Der Beitrag verknüpft Klimawandel, Migration und Ungleichheit und stellt zur Diskussion, ob der Kampf gegen faschistische Antiiklusionspositionen ein Kampf gegen rechts oder ein Kampf gegen die reichsten 1% schon bald nicht mehr Erdbewohner sein sollte - oder sowohl als auch?
Professor für Systementwicklung und Inklusion an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik HfH in Zürich
Forschungsschwerpunkte: Öffnung der Hochschule, inklusionsorientierte Schulentwicklung, multiprofessionelle Kooperation, Inklusion/Exklusion aus gesellschaftstheoretischer Perspektive
- SymposiumPLUS Inklusive Hochschule, Slot 2: In Begegnung kommen an der Inklusiven Hochschule (Studierhaus - Slot 2)
- SymposiumPLUS Inklusive Hochschule, Slot 3: Entscheidungen – das Politische an der Inklusiven Hochschule (Studierhaus - Slot 3)
- SymposiumPLUS Inklusive Hochschule, Slot 1: Differenz(re)produktionen in der Inklusiven Hochschule (Studierhaus - Slot 1)