Professionalisierung von Lehrkräften im inklusiv-digitalen Kontext – Herausforderungen, Konzepte und Kooperationsräume (Raum 5 - Slot 1)
18.02.2026 , Raum 5 (GW2 B1150)


Literatur

Böttinger, T., & Schulz, L. (2023). Professionalisierung in der Lehrer:innenbildung für einen digital-inklusiven Unterricht. In T. Irion, T. Böttinger & R. Kammerl (Hrsg.), Professionalisierung für digitale Bildung im Grundschulalter: Ergebnisse des Forschungsprojekts P3DiG (S. 49–75). Waxmann.

Fernández-Cerero, J., Montenegro-Rueda, M., & Fernández-Batanero, J. M. (2023). Impact of university teachers' technological training on educational inclusion and quality of life of students with disabilities: A systematic review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(3), 1–16. https://doi.org/10.3390/ijerph20032576

Fichtner, S., Bacia, E., Sandau, M., Hurrelmann, K., & Dohmen, D. (2023). „Schule stärken – Digitalisierung gestalten“ – Cornelsen Schulleistungsstudie 2023. Gesamtstudie. FiBS-Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie.

Mayrberger, K., Zawacki-Richter, O. & Müskens, W. (2018). Qualitätsentwicklung von OER.
Vorschlag zur Erstellung eines Qualitätssicherungsinstruments für OER am Beispiel der
Hamburg Open Online University. Sonderband zum Fachmagazin Synergie. doi:
10.25592/978.3.924330.67.5

United Nations Committee on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD). (2023). Concluding observations on the combined second and third periodic reports of Germany. https://www.ohchr.org

Vierbuchen, M.-C., Möbus, B., & Schaller, M. (2023). Digitale Medien für Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf: Ein systematisches Review deutschsprachiger Forschungsarbeiten. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 92(2), 92–110.

Abstract Symposium

Die fortschreitende Digitalisierung von Schule und Unterricht sowie der Anspruch auf inklusive Bildung stellen sowohl das deutsche Bildungssystem als Ganzes als auch Lehrkräfte vor komplexe Herausforderungen. Während die digitale Transformation als zentrale Entwicklungsaufgabe gilt (Fichtner et al., 2023), zeigen Berichte wie das zweite Staatenprüfverfahren zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN CRPD, 2023) weiterhin erhebliche Defizite bei der Umsetzung inklusiver Bildung. In beiden Bereichen besteht dringender Handlungsbedarf, weshalb eine Verzahnung beider Bereiche in Form von digital-inklusiver Bildung nahe liegt. Digitale Medien bieten zwar vielfältige Chancen für individualisiertes und inklusives Lernen (Vierbuchen et al., 2023), jedoch erfordern technische und didaktische Barrieren qualifizierte Lehrkräfte, die frühzeitig medien- und inklusionspädagogische Kompetenzen erwerben (Böttinger & Schulz, 2023). Die zentrale Fragestellung des Symposiums lautet daher: Wie kann eine inklusiv-digitale Lehrkräftebildung gestaltet, implementiert und nachhaltig systemisch verankert werden, und wie ist in diesem Kontext eine tragfähige Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern?
Im ersten Beitrag (20 min) werden die von der Universität Bremen initiierten Projekt inklusiv.digital vorgestellt: Dieser Projektverbund begegnet Defiziten im Bereich des inklusiven wie digitalen Lehrens und Lernens durch den Aufbau einer Infrastruktur für länder- und phasenübergreifende Open Educational Resources (OER), die in Form von Fortbildungsmodulen inklusiv-digitale Inhalte für die Lehrlräftebildung aufbereiten.
Der zweite Beitrag (20 min) evaluiert diese Modulbausteine anhand einer Studie mit Bachelorstudierenden an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Niedersachsen. Die Evaluation zeigt positive Resonanz hinsichtlich Struktur, Relevanz und Praxisanbindung der entwickelten Inhalte.
Der dritte Beitrag (20 min) erweitert die Perspektive und präsentiert das Netzwerk Diklusion, das Akteur:innen aus Hochschule, Vorbereitungsdienst und Schule in einem intermediären Kooperationsraum verbindet. Erste qualitative Befunde deuten darauf hin, dass Diklusion als Resonanzraum fungiert, in dem wissenschaftliche Reflexion und schulische Praxis produktiv verknüpft werden. So wird inklusive Lehrkräftebildung nicht als linearer Prozess, sondern als ko-konstruktive und reflexive Professionalisierung im Dialog gestaltet.
Über folgende Fragen aus verschiedenen Bereichen und Perspektiven möchten wir im Anschluss in den Autausch kommen (20 min): Welche Erfahrungen haben Sie mit OER-Modulen in Ihrer Praxis gemacht?; Welche Instrumente eignen sich, um OER-Module zu evaluieren und wie können inklusiv-digitale Kompetenzen gemessen werden?; Welche Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit kennen sie aus ähnlichen Projektkontexten und welche haben sich bisher bewährt?; Wo liegen die Chancen, wo die Grenzen digitaler Unterstützung für Inklusion?

Abstracts zu den Kurzvorträgen
  1. Beitrag
    Der Projektverbund inklusiv.digital entwickelt eine bundesweite Infrastruktur für OER mit dem Ziel der phasenübergreifenden Lehrkräftequalifizierung für digital-inklusiven Unterricht. Mittels flexibel anpassbarer Online-Modulbausteine zu unterschiedlichen Aspekten des Lehrens und Lernens mit digitalen Formaten in inklusiven Settings werden (angehende) Lehrkräfte in ihrer Professionalisierung unterstützt und untereinander vernetzt. Die Bausteine werden mithilfe breit gefächerten Expert:innenwissens aus den Bereichen der Fachdidaktik, der Sonder- und Inklusionspädagogik sowie der Medienpädagogik entwickelt und didaktisch aufbereitet. Der modulare Aufbau der Bausteine ermöglicht den Einsatz in vielfältigen Kontexten und Formaten. Inhaltlich vermitteln die Modulbausteine Fachwissen, das angehende Lehrkräfte für einen digitalen wie inklusiven Unterricht benötigen.
    Das Projekt soll als Good-Practice-Beispiel zeigen, wie Lehre individualisiert, kollaborativ und interdisziplinär digital stattfinden kann. Die Modulbausteine bestehen aus verschiedenen asynchronen digitalen Formaten und ermöglichen eine eigenständige Wissensaneignung mittels OER-Inhalte, die unter einer CC-Lizenz zur Verfügung gestellt werden. Durch die Vielfalt an Elementen (z. B. Videos, Audios usw.) kann den Bedürfnissen der Nutzer:innen entsprochen werden, sodass sie jene Aspekte eines Bausteins wählen, die sie im Rahmen ihres Studiums bzw. ihrer Lehrtätigkeit besonders interessieren oder benötigen.

  2. Beitrag
    Digitale Medien bieten Chancen für differenzierte Lernprozesse, etwa durch Visualisierung, adaptive Förderung und vielfältige Zugänge (Fichtner et al., 2023). Neue Barrieren wie fehlende Technik oder mangelndes didaktisches Know-how machen gut ausgebildete Lehrkräfte unerlässlich. Die Ausbildung muss daher frühzeitig medien- und inklusionspädagogische Kompetenzen vermitteln (Böttinger & Schulz, 2023), was bislang jedoch unzureichend erfolgt (Fernández-Cerero et al., 2023).
    Im Rahmen des von der Universität Bremen initiierten Projektverbundes inklusiv.digital wurden Modulbausteine entwickelt, die zentrale Aspekte der inklusiv-digitalen Bildung adressieren. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf die Evaluation dieser Modulbausteine, die im Kontext zweier Seminare an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Niedersachsen durchgeführt wurde, um einen kritischen Blick aus Sicht der Studierenden auf die Inhalte und den Aufbau der Modulbausteine zu bekommen. Es liegen die Ergebnisse von 21 Lehramtsstudierenden im Bachelor vor. Zur Datenerhebung kam ein halboffener Fragebogen zum Einsatz, basierend auf den Evaluationskriterien von Mayrberger et al. (2018). Erfasst wurden Struktur, Inhalt, Praxisrelevanz und Gesamteindruck der Modulbausteine. Die Ergebnisse zeigen eine überwiegend positive Bewertung, insbesondere bezüglich Struktur, Relevanz und Anwendbarkeit.

  3. Beitrag
    Das Netzwerk Diklusion bringt Akteur:innen aus Hochschule, Vorbereitungsdienst und Schule in einem intermediären Kooperationsraum zusammen. Dieser ermöglicht professionelles Lernen im Spannungsfeld digitaler und inklusiver Transformation. Ziel ist nicht nur die Entwicklung konkreter Unterrichtskonzepte, sondern auch die gemeinsame Reflexion pädagogischer Haltungen und ethischer Fragen im Umgang mit digitalen Medien. In Formaten wie Barcamps, kollektiver Materialentwicklung oder thematischen Austauschforen entstehen dialogische Lernprozesse, die professionsübergreifende Perspektiven sichtbar und produktiv machen.
    Der Beitrag analysiert auf Basis qualitativer Interviews und dokumentarischer Netzwerkdaten, wie sich Kooperationsformen, Resonanzstrukturen und Irritationsmomente rekonstruieren lassen, die eine transformative Professionalisierung begünstigen. Erste Befunde deuten darauf hin, dass das Netzwerk Diklusion als niedrigschwelliger Resonanzraum fungiert, in dem sich wissenschaftliche Reflexion, schulische Praxis und strukturelle Herausforderungen verschränken. Das Netzwerk erscheint somit als exemplarischer Ort, an dem inklusive Lehrer:innenbildung nicht linear vermittelt, sondern ko-konstruktiv und reflexiv gestaltet wird – im Spannungsfeld zwischen professionsbezogener Zusammenarbeit, digitaler Innovation und inklusiver Haltung.

Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Präsentation empirischer Projektergebnisse (zum Tagungszeitpunkt vorr. im Abschluss befindliche Forschung), Präsentation von Praxisprojekten oder Praxisbeispielen

Ich vertrete für das Wintersemester 2025/26 die Professur "Inklusive Bildung"" an der Universität Vechta. Seit Januar 2025 bin ich Post-Doc im AB Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Schulentwicklung. Ich beschäftige mich mit Fragen der Nutzung von digitalen Medien für gelingenden inklusiven Unterricht.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa-Universität Flensburg, tätig als Netzwerkkoordinatorin im Netzwerk Diklusion.

Lea Fischer studierte Erziehungswissenschaft und inklusive Pädagogik an den Universitäten Münster und Bremen. Bis 2023 arbeitete sie als Lehrerin an einer Grundschule in Bremen Nord und beendete dort ihr Referendariat der Sonderpädagogik/inklusiven Pädagogik. Sie promoviert zu Interaktionsbeziehungen zwischen Schüler:innen im inklusiven Englischunterricht der Grundschule bei Prof. Dr. Frank J. Müller und arbeitet seit 2024 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt inklusiv.digital zur länderübergreifenden Lehrkräfteprofessionalisierung mit Open Edicational Resources.

Diese(r) Vortragende hält außerdem: