P08: Ausdrucksweisen von Trauer: Kindliche Ausdrucksformen und pädagogische Sensibilisierung (Ebene 2, Flur)
19.02.2026 , Raum 6 (GW2 B2880)


Literatur

Foucault, Michel (2021): Die Heterotopien. Der utopische Körper. Zwei Radiobeiträge. Frankfurt am Main: suhrkamp. 5. Auflage.
Helsper, Werner (2022): Zur pädagogischen Professionalität von Grundschullehrer*innen – strukturtheoretische Perspektiven Mammes, Ingelore [Hrsg.]; Rotter, Carolin [Hrsg.]: Professionalisierung von Grundschullehrkräften. Kontext, Bedingungen und Herausforderungen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, S. 53-72.
Hodapp, Bastian (2020): Emotionale Professionalität. Eine qualitative Studie zur Berufspraxis pädagogischer Führungskräfte. wbv Media GmbH & Co. KG, Bielefeld.
Jäger, Ulle (2014): Der Körper, der Leib und die Soziologie. Entwurf einer Theorie der Inkorporierung. Sulzbach/Taunus: Ulrike Helmer, 2. Auflage.
Jennessen, Sven (2006): Schule, Tod und Rituale. Systemische Perspektiven im sonderpädagogischen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Oldenburg: Carl von Ossietzky Universität.
Lucius-Hoene, Gabriele & Deppermann, Arnulf (2020): Rekonstruktion narrativer Identität – Ein Arbeitsbuch zur Analyse narrativer Interviews, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Lofland, Lyn H. (1985): The Social Shaping of Emotion: The Case of Grief. In: Symbolic Interaction, Heft 8, Ausgabe 2, 171–190. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1525/si.1985.8.2.171.
Ortmann, M., Jennessen, S., Bruns, C., & Uhrlau, K. (2014). Schulpädagogisches Coping angesichts progredient erkrankter Kinder und Jugendlicher – zum pädagogischen Umgang mit Tod, Sterben und Trauer in der Schule (Bericht zum Forschungsprojekt). Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Oldenburg.
Ullrich, Carsten G. (2020): Das Diskursive Interview. Methodische und methodologische Grundlagen 2. Auflage.Springer VS Wiesbaden.

Abstract

Wie drücken Kinder ihre Trauer aus und wie werden frühere Erfahrungen mit Trauer von Lehramtsstudierenden retrospektiv erzählt und daraus Konsequenzen für die eigene, professionelle Selbstverortung konstruiert? Dieses Poster stellt das Sprechen über Trauer aus zwei empirischen Perspektiven vor.

Studie 1 untersucht mittels beobachtender Teilnahme in Kindertrauergruppen kindliche Trauerausdrucksformen. Kindliche Trauer wird auf leiblicher Ebene empfunden und findet ihren Ausdruck auf körperlicher Ebene (vgl. Lofland 1985). Dabei gestalten Kinder heterotope Räume (vgl. Foucault 2021), in denen sie ihre Trauer ausdrücken und Verbundenheit zu Verstorbenen herstellen, in denen Unvereinbares – Leben und Tod, Präsenz und Abwesenheit – zusammengeführt wird.

Studie 2 erforscht durch leitfadengestützte, narrative Interviews (vgl. Lucius-Hoene & Deppermann 2020) Deutungsmuster (vgl. Ullrich 2020) von Lehramtsstudierenden zu Tod und Trauer. Im Fokus stehen emotionale Assoziationen, persönliche Erfahrungen und die eigene, professionelle Rolle. Angehende Lehrkräfte bringen unterschiedliche Vorerfahrungen mit, die ihre pädagogische Handlungsmuster beeinflussen: eine Darstellung antinomischer Spannungsverhältnisse (vgl. Helsper 2022) zwischen emotionaler Authentizität (Hodapp 2020) und professioneller Rollenerwartung (vgl. Ortmann, Jennessen, Bruns, & Uhrlau 2014).

Beide Studien verdeutlichen: Sprechen über Trauer ist komplex und vielschichtig. Thanatosensible Pädagogik (vgl. Jennessen 2006) erfordert feinfühliges Wahrnehmen nonverbaler und leiblicher Ausdrucksformen (vgl. Jäger 2014) von Kindern sowie eine reflektierte Auseinandersetzung mit eigenen Deutungsmuster und sprachlichen Grenzen.

Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Stephanie Winter-Below ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Körperpädagogik der MLU, Halle. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Lebens- und Sterbebegleitung lebensverkürzend erkrankter Kinder und Unterstützte Kommunikation.