19.02.2026 –, Studierhaus
In Zeiten multipler Krisen bleibt schulische Inklusion ein bildungspolitisches Ziel, welches u.a. mit der UN-BRK eine international rechtliche Verankerung aufweist; jedoch in unterschiedlichen nationalen Kontexten sehr verschieden interpretiert und umgesetzt wird. Daher ist ein transnationaler Forschungsansatz zentral, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar zu machen und Perspektiven für eine Stärkung inklusiver Bildungssysteme zu möglichen (Köpfer et al., 2021).
Der Vortrag präsentiert Ergebnisse meines binationalen Promotionsprojekts, das die Rolle von Lehrkräften als "policy actors" im Kontext schulischer Inklusion in Österreich, Deutschland und den USA untersucht. Lehrkräfte sind nicht (nur) Umsetzende von rechtlichen Vorgaben, sondern handeln aktiv an der Schnittstelle von bildungspolitischen Ambitionen, institutionellen Rahmenbedingungen und dem pädagogischem Alltag im Klassenzimmer (Heineken et al, 2015; Watkins, 2022). Sie interpretieren, übersetzen und gestalten Inklusion vor Ort – prägen somit maßgeblich die Lern- und Teilhabeerfahrungen von Schüler:innen.
Theoretisch stützt sich die Doktorarbeit auf Ansätze der "policy enactment theory" (Ball, Maguire & Braun, 2011) sowie der "street-level bureaucracy theory" (Lipsky, 2012). Die Präsentation gibt Einblick in Datensätze bestehend aus 20 Policy Papern sowie fünf internationale Fokusgruppen mit sieben Regelschullehrer:innen, zwei Inklusionspädgog:innen, zwei Schulassistent*innen). Methodisch kommen die Poststructural Policy Anaylsis (Bacci & Goodwin, 2016) sowie die Situationsanalyse (Clarke et al., 2022) als Weiterentwicklung der Grounded Theory zum Einsatz.
Die Analyse zeigt, wie Lehrkräfte im Spannungsfeld von Systemkonformität und transformatorischem Inklusionsanspruch navigieren und welche Strategien sie entwickeln, um inklusive Prinzipien in oftmals hoch restriktiv, bürokratischen Strukturen zu verwirklichen. Damit rücken meine Forschungsergebnisse die Lehrkraft als zentrale Brückenbildner:innen zwischen Bildungspolitik und pädagogischr Praxis in den Fokus.
Ziel ist es, einerseits Impulse für die internationale Inklusionsforschung zu geben und andererseits Anregungen für Politik und Praxis zu formulieren, wie Lehrkräfte in ihrer Schlüsselrolle für die Realisierung von Inklusion besser unterstützt werden können.
Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags? –Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference)
Literatur –Bacci, C. L. & Goodwin, S. (2016). Poststructural Policy Analysis: A Guide to Practice. Palgrave Pivot. Palgrave Macmillan.hi, Carol Lee, and Susan Goodwin. 2016. Poststructural Policy Analysis: A Guide to Practice. Palgrave Pivot. Palgrave Macmillan.
Ball, S. J., Maguire, M. & and Braun, B. (2012). How Schools Do Policy: Policy Enactments in Secondary Schools. Routledge.
Heineke, A. J., Ryan, A. M., & Tocci, C. (2015). Teaching, Learning, and Leading: Preparing
Teachers as Educational Policy Actors. In Journal of Teacher Education 6 (4), 1-37. http://dx.doi.org/
10.1177/0022487115592031
Köpfer, A., Powell, J. J. W., & Zahnd, R. (2021). Handbuch Inklusion international: Globale, nationale und lokale Perspektiven auf inklusive Bildun. Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.3224/84742446
Lipsky, M. (2010). Street-Level Bureaucracy: Dilemmas of the Individual in Public Services. Updated edition. Publications of Russell Sage Foundation. Russell Sage Foundation.
Watkins, N. A. (2022). The Role of Teachers in Educational Policymaking. In Literature Reviews in Education and Human Services 1 (1), 1-23.
docstudent - cotutelle de thesis - fulbrightscholar - öawfellowship - austria-germany-unitedstates