Medientechnologischer Aktivismus für inklusive Bildung – ein medienhistorischer Aufriss aktivistischer Visionen und Enttäuschungen im Bildungskontext (Raum 5 - Slot 2a)
18.02.2026 , Raum 5 (GW2 B1150)


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Presentation of theoretical or conceptual contributions

Literatur

Almeida, N. (2017). Open Educational Resources and Rhetorical Paradox in the Neoliberal Univers(ity). Journal of Critical Library and Information Studies 1 (1). 1-19.
Barbrook, R. & Cameron, A. (1995). The Californian ideology. Online unter: http://www.imaginaryfutures.net/2007/04/17/the-californian-ideology-2/
Baudrillard, J. (1978). Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen. Perspektiven der Technokultur. Merve.
Brecht, B. (1932, i.d.F.v. 2002). Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In C. Pias, J. Vogl, L. Engell, O. Fahle & B. Neitzel (Hrsg.), Kursbuch Medienkultur (4. Aufl.). DVA.
Cobb, D.J. (2018). Placing the Spotlight on Open Educational Resources: Global Phenomenon or Cultural Guise?. The International Education Journal: Comparative Perspectives, 17, 15-29.
Dander, V. (2021). Datenpolitiken ‚von unten‘ zwischen Aktivismus und Politischer Medienbildung. Medienimpulse 59 (3), 1-37. doi: 10.21243/mi-03-21-07
Enzensberger, H.M. (1970 i.d.F.v. 2002). Baukasten zu einer Theorie der Medien. In C. Pias, J. Vogl, L. Engell, O. Fahle & B. Neitzel (Hrsg.), Kursbuch Medienkultur (4. Aufl.). DVA.
Frohn, J., Brodesser, E., Moser, V. & Pech, D. (2019). Inklusives Lehren und Lernen. Allgemein- und fachdidaktische Grundlagen. Klinkhardt.
Heidenreich, S. & Hoffmann, D. (2016). Zur Bedeutung und Funktion von Empowerment im Kontext inklusiver Medienpraxis: Editorial. merz | medien + erziehung, 60(3), 6-8.
Klafki, W. (2007). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik (6. Aufl.). Beltz.
Moser, V., Bengel, A., & Ludwig, J. (2025). Inklusion und Exklusion (Makroperspektive). In T. Bohl, A. Gröschner, A. Scheinpflug & M. Syring (Hrsg.), Studienbuch Bildungswissenschaft. Band 3 (S. 135-153). Klinkhardt.
Postman, N. (1988). Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Fischer.
Stalder, F. (2016). Kultur der Digitalität. Suhrkamp.
Turner, F. (2006). From Counterculture to Cyberculture. University of Chicago Press.

Abstract Einzelbeitrag

Jede Medienrevolution geht mit Partizipationsversprechungen einher: Prominente Beispiele sind die Entstehung des Buchdrucks, die Entwicklung des Radios oder das Aufkommen des Fernsehens. Trotz ihres aktivistischen Potentials (Brecht 1932; Enzensberger 1970) wurden diese Errungenschaften gleichermaßen instrumentalisiert (Baudrillard 1978), etwa in Form politischer Propaganda im Nationalsozialismus oder der Kommerzialisierung früher Fernsehkulturen (Postman 1988). In den 1990er Jahren schließlich galt die Netzkultur als aktivistisches Versprechen für profunde gesellschaftliche Veränderungen, die auch bildungs- und inklusionsbezogene Dynamiken betrafen (Heidenreich & Hoffmann 2016; Stalder 2016). Auch hier lässt sich jedoch zeigen, wie die aktivistischen Grundideen des Silicon Valley für Egalität, Partizipation und Transparenz zur kalifornischen Ideologie verkehrt wurden, in der stattdessen Kapital und Macht in den Händen Weniger konzentriert sind (Barbrook & Cameron 1995).

Welche Rolle aber spielen Bildungs- und Inklusionsversprechen in dieser wechselhaften Geschichte? Dieser Beitrag geht als medienhistorischer Aufriss auf der Schnittstelle von inklusiver Bildung (Moser et al. 2025) und medialer Revolution (Turner 2006) der Frage nach, inwieweit technologischem Aktivismus schon immer auch inklusionsorientierte Bildungsversprechen eingeschrieben waren und ob bzw. wie diese Versprechen eingelöst oder machtmissbräuchlich konterkariert wurden.

Dafür werden ausgewählte medienrevolutionäre Errungenschaften des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts im Bildungskontext exemplarisch auf ihre (Instrumentalisierungs)Potentiale hin analysiert. Neben analogen technischen Entwicklungen werden dabei vor allem digital geprägte medienaktivistische Spielarten (Dander 2021) in den Blick genommen: So erscheint etwa mit der Verbreitung von Open Educational Resources (OER) ein aktivistisches Versprechen für eine Bildung für alle (Klafki 2007) im Sinne inklusiver Prämissen (Frohn et al. 2019) einerseits als eingelöst. Andererseits können in der Nutzung von OERs auch Reproduktionen repressiver Dynamiken (Cobb 2018) oder neoliberale und exkludierende Bildungspraktiken (Almeida 2017) nachgezeichnet werden.

Im Fazit des Beitrags werden schließlich Parallelen und Unterschiede zur aktivistischen Historie der Inklusionsforschung herausgearbeitet, um Perspektiven für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen zu eröffnen.

Inklusive (Fach-)Didaktik
Digitalität und Inklusion in Schule und Unterricht
Bildungsungleichheit
Lehrkräfteprofessionalisierung