Systemkonformität? Wie können systemkritische Perspektiven von Schulleiter*innen beforscht und kommuniziert werden? (Raum 12 - Slot 4b)
19.02.2026 , Raum 12 (GW2 B3770)


Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference), Methodological reflections

Literatur

Cohen Lissman, D., Adkins-Cartee, M. R., Rosiek, J., & Springer, S. (2024). Moral injury and moral traps in teaching: Learning from the pandemic. Journal Of Moral Education, 53(3), 519–546.
Colnerud, G. (2015). Moral stress in teaching practice. Teachers and Teaching, 21(3), 346–360.
Kuckartz, U. (2018). Qualitative Inhaltsanalyse: Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.
Levinson, M. (2015). Moral injury and the ethics of educational injustice. Harvard Educational Review 85(2), 203–228.
Oberg, G. (2025). Moral injury in teaching: the systemic roots of ethical conflict and emotional burnout in education, Educational Review, 1-25.
Sugrue, E. P. (2020). Moral injury among professionals in K–12 education. American Educational Research Journal, 57(1), 43–68.

Abstract Einzelbeitrag

Der Beitrag fokussiert auf eine forschungsethische Herausforderung in der Schulforschung und Inklusion von Schülerinnen mit nicht-deutscher Erstsprache an österreichischen Schulen. Language Policies lösen vielschichtige Prozesse an Schulen aus und erfordern von Schulleitungen eine passende Umsetzung an ihrer Schule – so auch im Falle des seit 2018/19 gesetzlich festgelegten Sprachfördermodells der Deutschförderklassen in Österreich, das eine separate Beschulung von Schülerinnen mit nicht-deutscher Erstsprache vorsieht und damit einer inklusiven Bildung widerspricht. Gerade wenn Language Policies als benachteiligend empfunden werden bzw. den Werten von Schulleiterinnen nicht entsprechen, können ethische Konflikte oder „moral injuries“ auftreten (Sugrue 2020; Oberg 2025). Schulleitungen sehen sich dabei aufgrund systembedingter Zwänge oder gesetzlichen Vorgaben nicht in der Lage, im Einklang mit ihren Werten bzw. berufsethischen Standards zu handeln (Cohen Lissman et al. 2024). Es stellen sich daher einige forschungsethische Fragen, die für die Inklusionsforschung und die Kommunikation von Forschungsergebnissen relevant sind: Inwieweit können Schulleiterinnen hier autonome Entscheidungen über die Inklusion, Integration oder Separierung dieser Schülerinnen treffen oder inwieweit sind sie gesetzlich, schulorganisatorisch oder räumlich-materiell gebunden? Lassen Schulleiterinnen Systemkritik zu, wenn sie über die Deutschförderklassen sprechen? Welche moralischen Konflikte erleben sie dabei?
Der Beitrag diskutiert die Herausforderungen in der Erforschung von systemkritischen Perspektiven und gesetzlichen Grauzonen anhand eines empirischen Beispiels der Deutschförderklassen durch 11 leitfadengestützten Interviews mit Schulleiterinnen und Lehrpersonen. Diese wurden deduktiv nach Kuckartz (2018) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen 12 Themen in den Kategorien systemischer Druck, Rollenkonflikte und Systemvernachlässigungen durch Ressourcenmangel.
Der Beitrag fokussiert auf ein bildungspolitisches Spannungsfeld zwischen Inklusion und Exklusion von Schüler
innen mit anderer Erstsprache und die moralischen Dilemmata der beteiligten Schulleiter*innen. Gerade die Inklusionsforschung muss Spannungsfelder wie diese vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Integrität, Anonymisierung und Wahrheitsanspruch verhandeln, gerade wenn empirische Ergebnisse nicht system-konform sind.

Bildungssoziologie, Inklusion, Diversität und soziale Ungleichheit, Hochschulforschung, bildungssoziologische Forschung zur Lehrer*innenbildung