Ästhetik der Dankbarkeit – zwischen wissenschaftlicher Forschung, pädagogischer Praxis und politischem Aktivismus (Raum 10 - Slot 4a)
19.02.2026 , Raum 10 (GW2 B3010)


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Presentation of ongoing research projects (interim status)

Literatur

Bohnsack, Ralf (2008), Rekonstruktive Sozialforschung. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Dietrich, Cornelie; Krinniger, Dominik; Schubert, Volker (2013), Einführung in die Ästhetische Bildung. Weinheim: Beltz, Juventa.

Sierck, Udo; Radtke, Nati (2015), Dilemma Dankbarkeit, Neu-Ulm: AG SPAK-Bücher.

Abstract Einzelbeitrag

Dankbarkeit ist Gegenstand pädagogischer Praxis, jedoch in der Erziehungswissenschaft bisher nicht systematisch erschlossen. Für Inklusionsprozesse ist sie von besonderer Bedeutung, da Separations- und Ausgrenzungsstrukturen mit Dankbarkeitsmustern interagieren. So wird von behinderten Menschen häufig erwartet, für die Möglichkeit der Teilhabe dankbar zu sein (Sierck, Radtke 2015). Diese ist jedoch kein Geschenk, sondern ein Recht. Da Dankbarkeit von gesellschaftlichen Vorstellungen und Werten beeinflusst wird, hat sie ebenso eine politische Dimension.
Dankbarkeit ist, ebenso wie andere Gefühle und zwischenmenschliche Praktiken, Gegenstand der Kunst bzw. der Ästhetik. Der Begriff der „Ästhetik“ lässt sich vom griechischen „aisthesis“ ableiten, was so viel wie „sinnliche Wahrnehmung“ bedeutet“ (Dietrich / Krinniger / Schubert, 2013, S. 16). In der heutigen Verwendung umfasst Ästhetik sowohl die Wissenschaft vom Schönen als auch die Charakterisierung von Gegenständen und deren Wahrnehmungsweise (vgl., ebd.).
Im Dialog skizzieren wir die Ästhetik der Dankbarkeit und ihre Bedeutung für die (inklusive) Pädagogik. Hierbei steht das Verhältnis von Praxis, wissenschaftlicher Forschung, politischer Relevanz und Aktivismus zur Debatte. Insbesondere geht es hierbei auch um die Frage, inwiefern explizit normative Aussagen zum Thema Dankbarkeit und ihrer Ästhetik aus der wissenschaftlichen Perspektive sinnvoll sind (vs. einer deskriptiven Form der Gesellschafts- und Kunstanalyse). Die Möglichkeiten, Limitierungen und Implikationen dieser Ansätze werden diskutiert.
Konkretisiert werden die theoretischen Ausführungen anhand der Analyse von exemplarisch ausgewählten Kunstwerken, wobei sich an die rekonstruktive Bildanalyse nach Bohnsack (2008) angelehnt wird. Hierbei geht es mitunter um die Darstellung des Verhältnisses von nicht-behinderten und behinderten Menschen im Kontext von Dankbarkeit(sbekundungen). Um die Frage der Grenze zwischen dem Politischen und dem Wissenschaftlichen zu diskutieren, werden verschiedene Lesarten dargelegt, die sich in ihrer Standortgebundenheit, der Reflexion auf diese sowie in ihrer Reszissibilität unterscheiden.

  • Dankbarkeit
  • Machtsensible und diskriminierungskritische Ansätze
  • Anerkennungstheorien
  • Epistemische Gewalt
  • Inklusion
  • Postkoloniale Theorien

Dr. Lena Staab ist als Wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in (Post-Doc) an der Humboldt-Universität zu Berlin im Fachbereich Allgemeine Grundschulpädagogik tätig.

Aktuelle Forschungsinteressen und -Schwerpunkte sind Theorien der Inklusion, Intersektionalität & Diskriminierung sowie Subjektivierung(sforschung) und Diskursanalyse, Klassismusforschung, (Ästhetische) Zugänge zum Lernen und Sexuelle Bildung.