18.02.2026 –, Raum 12 (GW2 B3770)
Präsentation theoretischer oder konzeptioneller Beiträge
Abstract Einzelbeitrag –Der Beitrag möchte der im Call formulierten Frage „Inwieweit finden Erkenntnisse aus anderen Forschungslinien, wie z.B. den Disability Studies, Gender Studies oder der kritischen Rassismusforschung in der Inklusionsforschung Gehör? […].“ nachgehen, und zwar im spezifisch literaturdidaktischen Kontext.
Über das Potenzial von literarischen Gegenständen ist viel geschrieben worden, ich verstehe sie als Möglichkeitsräume, Literatur als Erfahrung, die Gratifikationen, wie Kepser/Abraham (2016, 93) sie beschreiben, schenkt und den Rezipierenden eine Begegnung mit sich selbst und ihrer Umwelt in kathartischer Weise ermöglicht. Nünning und Nünning bezeichnen literarisches Erzählen als „performative Akte, die Identitäten […] überhaupt erst erzeugen und kulturell stabilisieren“ (2004, 22) und dadurch, so würde ich folgern, bestehende Systeme überhaupt erst in Frage stellen. Bestehende System in Frage zu stellen, darum geht es mir, wenn ich im literaturdidaktischen Sinne über Inklusion spreche. Einen inklusiven Literaturunterricht verstehe ich so, dass wir bei einer wertfreien Unterschiedlichkeit der Schüler:innen durch den Gegenstand starten, denn, so Villa, stecken gerade pädagogische Diskurse „den Bereich des Denk- und Lebbaren ab“ (2008, 149).Im Vortrag werde ich zunächst knapp mein Verständnis von Inklusion vorstellen, zu sagen ist aber, dass ich einen weiten Inklusionsbegriff anlege, der alle Differenzkategorien umfasst, die binär strukturiert, hierarchisch organisiert sind und durch Strukturen über die Identität des Individuums ausschließen, benachteiligen, Menschen in ihrem Menschsein strukturell degradieren. Dementsprechend komme ich ohne den Rückgriff auf andere Forschungslinien gar nicht aus. In einem nächsten Schritt stelle ich dies an einem Modell vor, und zwar welche Bezüge Einfluss auf eine inklusionsorientierte Literaturdidaktik nehmen und welche Spielräume die (Hoch-)Schulpolitischen Vorgaben lassen, um Literaturunterricht inklusiver zu gestalten. In einem nächsten Schritt zeige ich an einer Beispielanalyse eines literarischen Textausschnitts, wie eine zeitgemäße Literaturdidaktik aussehen kann, die das Potenzial für den Transfer in die Schule hat, denn zu berücksichtigen gilt immer, wie Müller es 2025 schreibt, dass „eine Herausforderung für den Transfer von Forschung in die unterrichtliche Praxis [jene ist], dass Lehrkräfte oft und oft zu Recht ein erfahrungsbasiertes Misstrauen gegenüber didaktischer Innovation haben.“ (Müller 2025, 28)
Kepser, Matthis/Abraham, Ulf (2016). Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einführung. 4. Aufl. Berlin. Erich Schmidt.
Müller, Astrid (2025). „Wenn man einen Ansatz einführt, muss man immer bedenken, wie die Situation in der Praxis ist“ – Transferforschung als deutschdidaktische Aufgabe und Herausforderung. In: Didaktik Deutsch. 58/2025. S. 18-32.
Nünning, Vera/Nünning, Ansgar (2004) (Hrsg.). Erzähltextanalyse und Gender Studies. Stuttgart. J. B. Metzler
Villa, Paula-Irene (2008). (De)Konstruktion und Diskurs-Genealogie: Zur Position und Rezeption von Judith Butler. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hg.). Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 146-158.
Inklusion und soziale Differenzkategorien
Narratologie; Textlinguistik; strukturalistische Zugänge zur Literatur
Geschlechterreflektierende Deutschdidaktik; Sprache und Geschlecht; Macht durch Sprache
Integrative Deutschdidaktik
Kinder- und Jugendliteraturforschung und -kritik