18.02.2026 –, Raum 1 (GW2 B1216)
Anderes
Abstract Diskussionsforum –Stigmatisierende Einstellungen von Lehrkräften gegenüber Schülerinnen mit potenziell diskriminierten Merkmalen (z. B. Förderbedarf, Migrations- oder Fluchthintergrund) beeinflussen entscheidend deren Teilhabe, Bildungs- und Lebensverläufe. Der Labeling-Theorie (Link & Phelan, 2001) zufolge beschreibt Stigmatisierung ein Zusammenspiel von Zuschreibung, Stereotypisierung, Abgrenzung, Statusverlust und Diskriminierung in Machtkonstellationen. Im inklusiven Schulkontext kann sich dies auf struktureller Ebene wie auch in individuellen Einstellungen manifestieren (z. B. durch geringere Erwartungen oder schlechtere Bewertung). Vor dem Hintergrund der Intersektionalität mehrerer Diversitätsdimensionen bis hin zur Superdiversität (vgl. El-Mafaalani, 2023) ergeben sich komplexe Herausforderungen, diese durch stigmasensible Kommunikation zu berücksichtigen. Neben strukturellen Faktoren, die in Politik, Wissenschaft und Praxis diskutiert werden, stellt sich die Frage, welche Handlungsspielräume Einzelne im inklusiven Schulkontext nutzen; insbesondere, wenn sie aus einer Machtposition heraus über Betroffene sprechen und zwischen Praxis und Wissenschaft, normativem Anspruch und Evaluation navigieren müssen. Empirisch zeigt sich, dass Aufklärung durch Kommunikation einerseits zur Destigmatisierung beitragen kann (Hastall et al., in Druck), Personen aus der Praxis andererseits aber vor allem solchen Ansätzen kritisch gegenüberstehen, die aus Wissenschaft und Politik an sie herangetragen werden (Thomm et al., 2021). Das Diskussionsforum beleuchtet Möglichkeiten und Grenzen einer stigmasensiblen Kommunikation im inklusiven Schulkontext vor dem Hintergrund (a) der Skepsis vieler Lehrkräfte gegenüber Evidenzbasierung und wissenschaftlichen Empfehlungen, (b) den normativen Implikationen von Inklusionsforschung und (c) aktuellen politischen Entwicklungen. Anhand empirischer Evidenz und Fallbeispielen werden u. a. folgende Fragen in Kleingruppen und im offenen Plenum diskutiert: Welche Rolle spielen institutionelle und kommunikative Strukturen bei Manifestation oder Reduktion von Stigmatisierung? Wie kann Kommunikation im inklusiven Schulkontext sowohl diversitäts- als auch stigmasensibel gestaltet werden? Wie können sich Wissenschaft und Praxis annähern? Ziel ist ein interdisziplinärer Austausch zwischen Akteurinnen aus Forschung und Praxis, der Spannungsfelder sichtbar macht und Handlungsoptionen erschließt, die einen zielgruppenorientierten Zugang aufzeigen.
Literatur –El-Mafaalani, A. (2023). Bildungsgerechtigkeit, Superdiversität und neue Ungleichheiten. Herausforderungen für multiprofessionelle Kooperation. In C. Fischer & P. Platzbecker (Hrsg.), Aufholen nach Corona? Was Schule zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen kann (Reihe Münstersche Gespräche zur Pädagogik). Münster.
Hastall, M.R.; Möhring, M.; Röhm, A.; Grengel, M.; Finzi, J.A.; Lueg, M.C. & Nellen, C. (in Druck). Diversität aus der Perspektive evidenzbasierter Teilhabekommunikation: Theoretische Zugänge und empirische Herausforderungen. In G. Marci-Boehnke, B. Mertins & S. Nieberle (Hrsg.). Diversity in Culture.
Link, B. G. & Phelan, J. C. (2001). Conceptualizing stigma. Annual Review of Sociology, 27(1), 363–385. https://doi.org/10.1146/annurev.soc.27.1.363.
E. Thomm, C. Sälzer, M. Prenzel, and J. Bauer, “Predictors of teachers’ appreciation of evidence-based practice and educational research findings,” Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, vol. 35, no. 2–3, pp. 173–184, Apr. 2021, doi: 10.1024/1010-0652/a000301
Anti-stigma and participatory communication in inclusive school contexts