Zwischen inklusivem Professionsverständnis und additiver Kompetenzerweiterung. Ein Systematic Review zur Qualifizierung für Inklusion im Elementarbereich (Raum 12 - Slot 2b)
18.02.2026 , Raum 12 (GW2 B3770)


Abstract Einzelbeitrag

Der Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung gilt aufgrund seiner strukturellen Besonderheiten – wie einem selektionsfreien Zugang, altersheterogenen Gruppen und der nachrangigen Bedeutung von Leistungsbewertungen – als Grundstein und Impulsgeber für die inklusionsorientierte Ausrichtung des gesamten Bildungssystems (König, 2020; Schmude, 2013). Zugleich existieren weder flächendeckend etablierte inklusive Einrichtungen im Elementarbereich noch eine systematische Verankerung inklusiver Pädagogik in der Aus-, Fort- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte (Heimlich, 2013; Strecker et al., 2022). Obwohl Qualifizierungsprozessen eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung und Qualität inklusiver Kindertageseinrichtungen zugesprochen wird (Heimlich, 2016) und eine Vielzahl an geforderten Inklusionskompetenzen identifiziert werden kann (Friederich, Meyer & Schelle, 2015), liegt bislang keine systematische Übersicht zu entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen für Inklusion im Elementarbereich in Deutschland vor.
Der Beitrag setzt an dieser Leerstelle an und präsentiert die Ergebnisse eines Systematic Reviews (Newman & Gough, 2020) zum Thema Qualifizierung für Inklusion von frühpädagogischen Fachkräften in Deutschland, das im Rahmen des Projekts „Metavorhaben Inklusive Bildung (MInkBi)“ erstellt wurde. Grundlage ist eine systematische Literaturrecherche im Fachportal Pädagogik (FIS Bildung) sowie eine qualitative Analyse relevanter Publikationen. Im Vortrag wird zunächst das Design des Reviewprozesses skizziert, bevor ein Überblick über Qualifizierungsformate, Zielsetzungen, Inhalte und methodisch-didaktische Konzeptionen gegeben wird. Die zentralen Befunde der Forschungssynthese werden anschließend anhand professionalisierungstheoretischer Konzepte analysiert und kritisch diskutiert.
Erste Ergebnisse aus dem laufenden Forschungsprozess legen nahe, dass Qualifizierungsangebote für den Elementarbereich häufig die Vermittlung von handlungspraktischen Kompetenzen für die Arbeit in heterogenen Gruppen fokussieren, während strukturelle und kontextuelle Fragen weitgehend marginal bleiben. Aus professionalisierungstheoretischer Perspektive wird dahingehend sichtbar, dass Qualifizierung für Inklusion meist als additive Erweiterung bestehender Kompetenzprofile verstanden wird, anstatt als integraler Bestandteil eines inklusiven Professionsverständnisses.

Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference), Systematic reviews or literature analyses

Literatur

Friederich, T., Meyer, A., & Schelle, R. (2015). Kompetenzen für inklusives Handeln in der Kita. Die Kluft zwischen normativem Anspruch und Realität. In I. Nentwig-Gesemann, K. Fröhlich-Gildhoff, F. Becker-Stoll & P. Cloos (Hrsg.), Forschung in der Frühpädagogik. 8. Schwerpunkt: Inklusion (S. 23–58). FEL-Verlag.

Heimlich, U. (2013). Ausbildung und Professionalisierung von Fachkräften für inklusive Bildung im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. In H. Döbert & H. Weishaupt (Hrsg.), Inklusive Bildung professionell gestalten. Situationsanalyse und Handlungsempfehlungen (S. 11–32). Waxmann.

Heimlich, U. (2016). Inklusion und Qualität. Auf dem Weg zur inklusiven Kindertageseinrichtung. Frühförderung interdisziplinär 35(1), 28–39. https://doi.org/10.2378/fi2016.art03d

König, A. (2020). Bedeutungswandel der Kindertageseinrichtungen. Kulturelles Lernen als Basis für eine inklusive Frühpädagogik. In A. König & U. Heimlich (Hrsg.), Inklusion in Kindertageseinrichtungen. Eine Frühpädagogik der Vielfalt (S. 16–30). Kohlhammer.

Newman, M., & Gough, D. (2020). Systematic Reviews in Educational Research. Methodology, Perspectives and Application. In O. Zawacki-Richter, M. Kerres, S. Bedenlier, M. Bond & K. Buntins (Hrsg.), Systematic Reviews in Educational Research. Methodology, Perspectives and Application (pp. 3–22). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-27602-7

Schmude, C. (2013). Inklusion – (k)ein Thema der Frühpädagogik? Frühe Bildung, 2(4), 215–218. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000119

Strecker, S., Becker, J., Buchhaupt, F., Katzenbach, D., Lutz, D., & Urban, M. (2022). Qualifizierung für Inklusion im Elementarbereich – zur Kontextualisierung der Erträge eines aktuellen Forschungsprogramms. In dies. (Hrsg.), Qualifizierung für Inklusion. Band 1 Elementarbereich (S. 7–17). Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830995128

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Metavorhaben Inklusive Bildung (MInkBi) sowie am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Anna Kistner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im "Metavorhaben inklusive Bildung" an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihr laufendes Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Schule und Eltern in der Situation der Feststellung.