18.02.2026 –, Raum 8 (GW2 B2900)
Presentation of ongoing research projects (interim status), Presentation of theoretical or conceptual contributions
Abstract Einzelbeitrag –Am Beispiel eines Forschungsprojektes zu Peer-Beratung im Trauma-Kontext wird theoriebasiert sowie anhand von Interviewausschnitten erörtert, wo bzw. auf welcher Ebene das Politische dieser (aktivistischen) Praxis sowie dieser Forschung verortet werden kann.
Die Daten stammen aus einem Projekt, das in verschiedenen Teil-Fragestellungen untersucht, welche Konzepte aus Inklusionsforschung und Disability Studies für diesen Personenkreis bzw. diesen Spezialdiskurs anschlussfähig sind oder eben adaptiert werden müssen. Dazu gehört das Konzept, Empowerment als politischen Bildungsprozess zu beschreiben, um Empowerment von Selbsthilfegruppen zu unterscheiden, in denen ein medizinalisiertes Verständnis dominiert, bei dem für eine Betrachtung gesellschaftlicher Verhältnisse und somit für eine Kritik vom Betroffenenstandpunkt kein Platz ist. Allerdings zeigt sich in der Praxis allzu oft: Wo das Leiden sehr akut ist, rückt die politische Selbstorganisation zugunsten pragmatischer Selbsthilfe in den Hintergrund. Auch im Kontext der Begleitung traumatisierter Menschen braucht es oft schnelle Akuthilfe. Für ein ruhiges Meditieren über politische Verhältnisse fehlen in solchen Moment die Ressourcen. Oder ist diese feld-immanente Formulierung bereits Ausdruck eines schiefen Verständnisses, bei dem politisches Denken dem helfenden Handeln falsch gegenübergestellt wird? Vor diesem Horizont soll rekonstruiert werden,
(1) inwiefern die interviewten Peer-Helfer*innen ihre Handlungen als (nicht) politisch beschreiben (Selbstbeschreibung)
(2) inwiefern diese – mit Rekurs auf verschiedene Definitionen des Politischen – (nicht) als politisch beschrieben werden können (Außenperspektive).
Die zweite Forschungsfrage verweist auf die Notwendigkeit methodologischer und epistemischer Selbstreflexion der Forschenden, insofern sie unmöglich ohne eigene Setzungen und Entscheidungen beantwortet werden kann. Daher wird drittens erörtert
(3) inwiefern der interpretative Akt selbst eine (Ent-)Politisierung darstellt.
Um diesen Fragen nachzugehen, rekurriert der Beitrag auf Schriften zu Standpunktreflexion, insbesondere aus der Kritischen und Politischen Phänomenologie (e.g. Fernandez 2020; Kafai 2020; Bedorf 2025), auf das Konzept der betroffenenkontrollierten Forschung aus dem Bereich der Mad Studies (e.g. Russo & Sweeney 2016) und auf kritische Betrachtungen zur psychoanalytischen Interpretationstechnik (e.g. Boger 2024).
Literatur –Bedorf, Thomas (2025): Bodenlos situiert – Eine politische Phänomenologie. Berlin: suhrkamp.
Boger, Mai-Anh (2024): Das Politische als unbewusstes sujet. In: Blaha, Kathrin; Boger, Mai-Anh; Geldner-Belli, Jens; Körner, Nadja; Moser, Vera & Walgenbach, Katharina (Hrsg.): Inklusion und Grenzen: Soziale, politische und pädagogische Verhältnisse. Bielefeld: transcript. S. 223-246.
Fernandez, Anthony Vincent (2020): From Phenomenological Psychopathology to Neurodiversity and Mad Pride: Reflections on Prejudice. Puncta – Journal of Critical Phenomenology; Vol. 3.2. DOI: https://doi.org/10.5399/PJCP.v3i2.3
Kafai, Shayda (2020): Memory Seeking: Mad Phenomenology as Orientation. Puncta – Journal of Critical Phenomenology; Vol. 3.2. DOI: https://doi.org/10.5399/PJCP.v3i2.5
Russo, Jasna & Sweeney, Angela (2016): Searching for a Rose Garden – Challenging Psychiatry, Fostering Mad Studies. Monmouth: PCCS-Books.
Psychoanalyse und Phänomenologie in der Inklusionsforschung; Trauma und Behinderung in Zeiten von Krieg und Frieden