19.02.2026 –, Raum 6 (GW2 B2880)
Präsentation einer Projektidee oder eines Forschungsdesigns (geplante Projekte)
Abstract Poster –Das geplante Dissertationsvorhaben untersucht die soziale Konstruktion von Sprechbehinderung am Beispiel des Stotterns als Kontrastfolie zur 'oralen Kultur' mittels Ethnographie (Amann & Hirschauer 1997), Diskursanalyse und Subjektivierungsforschung (Bosančić et al. 2019). Angelehnt an die "allgemeine Sehkultur" (Schulz & Geese 2022: 412) der Critical Blindness Studies werden mit 'oraler Kultur' dominante Praktiken und Wissensordnungen begriffen, die flüssiges, 'gutes' Sprechen als Norm hervorbringen.
Ausgehend von interaktionistischen Perspektiven (Goffman 2020) und (Critical) Disability Studies wird gefragt: Wie wird Stottern als "Sprechbehinderung" gesellschaftlich hergestellt und inwiefern unterbricht es normative Kommunikationserwartungen? Durch die Analyse von Ausschließungs- und Partizipationsprozessen sollen alternative Perspektiven zu sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten entwickelt und das kritische Potenzial von Inklusion gestärkt werden (Schmitt & Uçan 2021: 57).
Amann, K.; Hirschauer, S.(1997): Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie.
Anhorn, R.; Balzereit, M. (2016): Die ‚Arbeit am Sozialen‘ als ‚Arbeit am Selbst‘ – Herrschaft, Soziale Arbeit und die therapeutische Regierungsweise im Neo-Liberalismus. In: Anhorn, R.; Balzereit, M. (Hg.): Handbuch Therapeutisierung und Soziale Arbeit.
Bosančić, S. et al. (2019): Empirische Subjektivierungsanalyse: Entwicklung des Forschungsfeldes und methodische Maximen der Subjektivierungsforschung. In: Bosančić, S.; Keller, R. (Hg.): Diskursive Konstruktionen, Theorie und Praxis der Diskursforschung.
Fegter, S. et al. (2015): Erziehungswissenschaftliche Diskursforschung. Theorien, Methodologien, Gegenstandskonstruktionen. In: Fegter, S. et al. (Hg.): Erziehungswissenschaftliche Diskursforschung. Interdisziplinäre Diskursforschung.
Goffman, E. (2020): Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität.
Köbsell, S. (2012): Integration/Inklusion aus Sicht der Disability Studies: Aspekte aus der internationalen und der deutschen Diskussion. In: Rathgeb, K. (Hg.): Disability Studies: Kritische Perspektiven für die Arbeit am Sozialen.
Richter, Z. (2019): On stuttering aktivism and resistance. In: Campbell, P. et al. (Hg.): Stammering Pride and Prejudice. Difference not Defect.
Schmitt, C.; Uçan, Y. (2021): Inklusion machtkritisch denken. Sozial- und erziehungswissenschaftliche Perspektiven. In: Hericks, N. (Hg.): Inklusion, Diversität und Heterogenität – Begriffsanwendung und Praxisbeispiele aus multidisziplinärer Perspektive.
Schulz, Miklas; Geese, Natalie (2022): Critical Blindness Studies in den Disability Studies. In: Waldschmidt, Anne (Hrsg.): Handbuch Disability Studies. Wiesbaden: Springer, S. 401-415.
Johanna Burk ist Universitätsassistentin und Dissertationsstudentin des Lehr- und Forschungsbereichs Disability Studies und inklusive Pädagogik der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf sprachlich-kommunikativen (Körper-)Normierungen, (kritischen) Disability Studies und Subjektivierungsforschung.