Zwischen Normalität und Besonderung – Inklusive Übergänge Schule–Beruf im Spannungsfeld institutioneller Ordnungen
19.02.2026 , Raum 13 (GW2 B3850)


Abstract Einzelbeitrag zum SymposiumPlus

Der Übergang von der Schule in den Beruf markiert eine zentrale Statuspassage, in der sich Chancen auf Teilhabe und Exklusion neu verhandeln. Für Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) ist dieser Übergang in besonderer Weise prekär: Nach inklusiver Beschulung treffen sie auf ein selektives und stark ausdifferenziertes Übergangssystem, das häufig als „Maßnahmendschungel“ beschrieben wird. Dieses System ist von normativen Erwartungen und institutionellen Barrieren geprägt, sodass die Teilhabechancen an Ausbildung und Arbeit trotz politischer Leitbilder eingeschränkt bleiben.
Das Dissertationsprojekt untersucht aus einer qualitativ-empirischen Perspektive, die Herstellung und Gestaltung von Übergängen aus dem „inklusiven“ Schulsetting. Eine zentrale Frage ist, welche Anforderungen sich an eine schulische Berufsorientierung stellen, die sich ‚inklusiv‘ nennt, und wie Übergänge in Ausbildung und Arbeitsmarkt gestaltet werden können. Auf Grundlage von Interviews mit Schüler
innen, Förderpädagogischen Lehrkräften, Regelschullehrkräften, Übergangsmanagerinnen und Reha-Berater*innen ausgewertet. Im Fokus steht die Frage, wie institutionelle Ordnungen, (nach-)schulische Differenzkategorien (z. B. Förder-, Rehastatus) und außerschulische Zuweisungslogiken ineinandergreifen und Übergänge strukturieren.
Erste Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf im Übergang häufig „mitlaufen“, ohne dass ihre spezifischen Bedarfe systematisch adressiert werden. Übergänge erscheinen weniger als individuell gestaltete Prozesse, sondern als Folge institutioneller Verschränkungen zwischen Schule, Beratungsstrukturen und Leistungsträgern.
Damit werden Differenzlinien nicht nur fortgeschrieben, sondern neu hervorgebracht. Der Beitrag versteht Übergänge daher als Situation(en), an denen die Zielsetzung inklusiver Arbeitswelten eingelöst oder unterlaufen wird, und fragt, wie schulische Berufsorientierung und Übergangsprozesse so weiterentwickelt werden können, dass sie Teilhabechancen eröffnen – im allgemeinen Arbeitsmarkt ebenso wie in Systemen beruflicher Rehabilitation – und fragt, wie „inklusive“ Übergänge produktiv zu Teilhabechancen gewendet werden können.

Literatur

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Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags?

Präsentation laufender Forschungsprojekte (Zwischenstand)

Inklusion am Übergang Schule-Beruf
Differenz- und Normalitätskonstruktionen und deren Einbettung und Subjektpositionierung(en)
Inklusive Bildung (mit Ausweitung auf inklusive berufliche Bildung)
Diversität und Heterogenität: Verschiedenheit in Schule und Schulentwicklung
Förderung, Diagnostik und Inklusion