18.02.2026 –, Raum 11 (GW2 B3009)
Präsentation theoretischer oder konzeptioneller Beiträge, Methodische Reflexionen
Abstract Einzelbeitrag –Reflexionen um Begriffe und Bezüge im Hintergrund von Forschung, Haltung und Aktivismus. – Ein Ausweg aus dem Labyrinth?
"Das Individuum ist einmalig im wesentlich Gesellschaftlichen seiner Persönlichkeit
und gesellschaftlich im wesentlich Einmaligen seiner Persönlichkeit;
das ist die Schwierigkeit, die zu bewältigen ist.“(Sève 1973, S. 117)
Das hier angesprochene Spannungsfeld zwischen Allgemeinem (Gesetz der großen Zahl) und Besonderem (Gesetz der kleinen Zahl), zwischen Theorie und Praxis, Gesellschaftlichkeit und Individualität verweist auf eine grundsätzliche Spannung zwischen der faktischen Realität und ihrer Beschreibungen, zwischen Gegenstand und Begriff.
Ausgehend von der Entfaltung dieser Verhältnisse wird in Verbindung mit den Spezifika der Gattung Mensch und der von ihr erzeugten Sphäre der Sprache (Sprachraumtheorie), Sprache als tertium comparationis zwischen dem Einen und der Anderen zur Repräsentantin der Vielheit der je unterschiedlichsten Perspektiven auf und Begriffen von der Welt.
So macht der je lebensNOTwendige Eigen-Sinn der Menschen ihre jeweilige EINZIGARTIGKEIT aus.
Wird diese von einem/r Gegenüber als eine Perspektive wahrgenommen, wird die ‚einzigartige Existenz‘ in diesem Begreifen des Anderen, im Vergleich zu dessen Vorerfahrungen, Vermutungen, Erinnerungen …, zu einer Vielheit, die die Einzigartigkeit der/des Anderen nicht (!) erfasst, ihr aber eine Facette abgewinnt, die evtl. im Dialog auch für das Objekt dieses Vorgangs neu und damit in dieser dialogischen Erfahrung erweiternd ist.
Auf diesem theoretischen Fundament entwickelt der Vortrag Möglichkeiten von Forschung, und die sich hieraus ergebenden Urteile als bewusste zielorientierte Aktion in Pädagogik und Politik. Diese Urteile verbinden also die ‚Haltung‘ und den ‚Aktivismus‘ mit Maßstäben, die dieses Handeln reflexiv – nach innen – und begründend – nach außen – zu einer professionellen, verAntwortlichen Handlung machen.
Diese Überlegungen werden an drei Beispielen erläutert:
• Die Bedeutung der Diagnose für und gegenüber der Klientel ebenso wie die der Diagnostik im institutionellen und gesellschaftlichen Zusammenhang.
• Die Bedeutung der Theorie im Rahmen der Quantitativen und Qualitativen Sozialforschung als tertium Comparationis zwischen beiden Aspekten der Realität.
• Das Verhältnis von besonderen Bedürfnissen und allgemeiner Didaktik.
Feuser, Georg (2008): Gemeinsamer Gegenstand. In: Sabine Lingenauber (Hg.): Handlexikon der Integrationspädagogik. Band 1, Kindertageseinrichtungen. Bochum/Freiburg: projekt verlag, S. 60–66.
Rödler, Peter (2021): Autismus und Wissenschaft - die Angst vor dem Fremden. Zeitschrift MENSCHEN. Online verfügbar unter https://www.zeitschriftmenschen.at/content/view/full/119501/(hash)/d41d8c
d98f00b204e9800998ecf8427e, zuletzt geprüft am 18.10.2024.
Rödler, Peter (2022): SINN-Bildung – Die Anforderung der Inklusion an Forschung und Lehre in den Sozialwissenschaften. In: Janet Langer, Marlene Meindl und Oliver Carnein (Hg.): Konsequenzen der Pandemie aus sonderpädagogischer Perspektive. Gedanken emeritierter Sonderpädagogik-Professor:innen. Unter Mitarbeit von Josefine Ammon-Neubert, Oliver Carnein, Cathrin Grotjohann, Solveig Haugwitz, Rebecca Höhr, Katja Koch, Michaela Kurtz, Janet Langer, Marlene Meindl, Anna Müller, Ellen Schulmeiß, Daniel Stockheim. Rostock: Uni Rostock, S. 44–73.
Rödler, Peter (2023): Bildung statt Krieg ? – Welche Bildung ist friedfertig? In: PoliTeknik (37), S. 6–7. Online verfügbar unter https://politeknik.de/p13466/, zuletzt geprüft am 10.08.23.
Seguin, Edward (1866): Die Idiotie und ihre Behandlung nach physiologischer Methode. nach der englischen Ausgabe des Lehrerkollegiums der Columbia Universität aus dem Jahr 1907 und nach einer ersten Übersetzung von Herinrich Neumann (Wien) bearbeitet und mit der Bewilligung der Witwe Seguins. Unter Mitarbeit von Dr. S. Kreenberger (Hg.). Wien: Verlag von Karl Graeser.
Sève, Lucien (1973): Marxismus und Theorie der Persönlichkeit. 2. Aufl. Frankfurt (Main): Verlag Marxistische Blätter (Marxistische Paperbacks, 34).
Das Konzept eines grundlegendes dialektisch widersprüchliches Konzepts der Menschenwelt als Grundlage einer Allgemeinen Pädagogik ohne Rest in seiner Entfaltung und jeweiligen Bedeutung auf allen Ebenen von Theorie und Praxis.