18.02.2026 –, Raum 9(GW2 B2335)
Presentation of practical projects or practical examples
Abstract Einzelbeitrag –Mit der Ratifizierung der UN-BRK 2009 sollte Inklusion systematisch Einzug in die allgemeine Lehrer:innenbildung erhalten. In Deutschland ist jene Verankerung jedoch bis heute sehr fragmentarisch: Studien- und Modulordnungen enthalten kaum verpflichtende inklusionsbezogene Lehrveranstaltungen, intersektionale Ansätze werden nur marginal behandelt, Dimensionen wie Ableismus oder Behinderung bleiben randständig und dass, obwohl der Bedarf empirisch gesichert ist und die Einstellung von Studierenden gegenüber Inklusion vorwiegend positiv ist.
Vor diesem Hintergrund stellt der Beitrag ein innovatives Kursdesign an der TU Braunschweig vor, das im Studienjahr 2025/26 partizipativ mit Studierenden entwickelt wird. Ziel ist es, bildungs- und erziehungswissenschaftliche Anforderungen mit einer aktivistischen Haltung zu verbinden und damit Studierenden des allgemeinen Lehramts einen Raum zur Förderung von Empowerment, Reflexions- und Handlungskompetenzen für Inklusion zu schaffen.
Das Seminarkonzept verknüpft drei hochschuldidaktische Ansätze – Universal Design for Learning, Forschendes Lernen und flipped classroom – um inklusive Prinzipien wie Partizipation und Zugänglichkeit zu realisieren. So sollen Studierende nicht nur Wissen über inklusionspädagogische Inhalte erwerben, sondern selbst transformatorische Lernerfahrungen machen und somit ein Verständnis für die bildungspolitische Dimension ihrer Profession entwickeln.
Die Evaluation des Kurses erfolgt im Rahmen partizipativ-qualitativer Sozialforschung mittels Interviews und wiederholter Kurzfragebögen. Vermuten lässt sich, dass Studierende die Verknüpfung von wissenschaftlichem Arbeiten und aktivistischer Haltung als spannungsreich, zugleich aber auch als hoch relevant für ihre zukünftige Lehrer:innenrolle und der schulischen Praxis erleben.
Der Beitrag diskutiert die Potenziale und Grenzen dieser Verbindung anhand folgender Leitfrage: Wie lassen sich wissenschaftliche Gütekriterien mit dem Anspruch auf gesellschaftliche Transformation im Kontext von Inklusion vereinbaren? Inwiefern ist Hochschul(lehr)e ein Ort, an dem angehende Lehrer:innen auf inklusive Bildungsutopie und bürokratische Systemkonformität im Schulalltag vorbereitet werden?
Die Präsentation versteht sich zudem als Einladung zum Erfahrungsaustausch. Diskutiert werden soll, wie Hochschullehre nicht nur über Inklusion spricht, sondern selbst ein inklusiver, politischer und partizipativer Raum durch aktivistische Haltung sein kann.
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docstudent - cotutelle de thesis - fulbrightscholar - öawfellowship - austria-germany-unitedstates