18.02.2026 –, Raum 7 (GW2 B2890)
Inklusion ist im schulischen Kontext mit dem Anspruch verbunden, auf die individuellen Bedürfnisse aller Schülerinnen einzugehen und Lernanforderungen sowie -angebote entsprechend zu individualisieren. In Nordrhein-Westfalen ist der Auftrag zur individuellen Förderung an Schulen in verschiedenen Gesetzen und Erlassen verankert. Als Instrument individueller Förderung gilt dabei der Förderplan, der für alle sonderpädagogisch geförderten Schülerinnen verpflichtend vorgeschrieben ist. Auch fachlich gelten Förderpläne als zentraler Bestandteil sonderpädagogischer Arbeit (Popp, Melzer & Methner, 2023; Koßmann & Eilinghoff, 2021). Im Sinne der mit Förderplanung assoziierten Förderdiagnostik soll eine stärkenorientierte und an einer vorrangig individuellen Bezugsnorm orientierte Perspektive leitend sein (Eggert, 2007). Gleichzeitig ist der Förderplan in NRW als Legitimationsgrundlage in die Feststellung sowie jährliche Überprüfung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs eingebunden.
Angesichts der zugesprochenen Bedeutung für die Planung von Förderung und Unterricht, der administrativen Verpflichtung zum Anlegen von Förderplänen sowie der Doppelfunktion zwischen Förderung und Feststellungs-/Platzierungsdiagnostik überrascht die lückenhafte Forschungslage zum Einsatz von Förderplänen. Um diesem Desiderat zu begegnen, wurde eine landesweite Online-Befragung von Grundschulen, Schulen der Sekundarstufe I und Förderschulen (N=349) in NRW durchgeführt. Im Fokus standen Fragen nach den Verantwortlichkeiten bei der Erstellung von Förderplänen, kooperativer Förderplanung sowie Gründen für die Erstellung von Förderplänen. Die deskriptiven Analysen der statistischen Daten sowie die zusammenfassende Inhaltsanalyse der offenen Antworten zeigen, dass an nahezu allen Schulen Förderpläne erstellt werden, bei etwa einem Viertel jedoch ausschließlich aufgrund rechtlicher Vorgaben. Rund die Hälfte der Schulen gibt an, dass sie auch ohne verpflichtende Vorgaben Förderpläne verfassen würden, und betonen deren Potenzial für kollegiale Zusammenarbeit, Evaluation und Reflexion der Förderung, Unterrichtsgestaltung sowie die Kooperation mit Schüler*innen und Eltern. Zugleich werden in einem Teil der Schulen Förderpläne verändert und in einem anderen Duktus geschrieben, sobald sie Teil eines Feststellungsverfahrens werden. Die Befunde werden hinsichtlich inklusiver Schulentwicklung und insbesondere vor dem Hintergrund des Etikettierungs-Ressourcen-Dilemmas (Wocken, 1998) diskutiert.
Wie ist der inhaltliche Status Ihres Beitrags? –Presentation of empirical project results (research currently being finalised at the time of the conference)
Literatur –Eggert, D. (2007). Von den Stärken ausgehen…Individuelle Entwicklungspläne (IEP) in der Lernförderdiagnostik; ein Plädoyer für andere Denkgewohnheiten und eine veränderte Praxis. Dortmund: Borgmann.
Koßmann, R., & Eilinghoff, P. M. (2021). Was sich aus evaluierten Eintragungen in Förderplänen lernen lässt. In P. Frei, K. Hauenschild & B. Schmidt-Thieme (Hrsg.), Hildesheimer Beiträge zur Schul- und Unterrichtsforschung 3. Hildesheim: Universitätsverlag Hildesheim.
Popp, K., Melzer, C., & Methner, A. (2023). Förderpläne entwickeln und umsetzen. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Wocken, H. (1998). Gemeinsame Lernsituationen. Eine Skizze zur Theorie des gemeinsamen Unterrichts. In A. Hildeschmidt & I. Schnell (Hrsg.), Integrationspädagogik. Auf dem Wege zu einer Schule für alle (S. 37–52). Weinheim, München: Juventa.
- inklusive Schulentwicklung
- Multiprofessionelle Kooperation
- (Sonder-)Pädagogische Professionalität
Wohlbefinden von Kindern, Forschung mit Kindern, Bildungsbenachteiligung